47 kuna yala / islas san blas teil 2

Bevor wir in Porvenir offiziell einklarieren genießen wir die Einsamkeit von Banedup und Miriadup. Die Genesis ist die einzige Yacht. Das Wasser ist kristallklar. Wir schnorcheln, machen Strandausflüge und zu unserer Überraschung kommt am 2. Tag ein großes Kanu mit Aussenbordmotor angefahren. Es ist voll beladen mit Obst und Gemüse und wir kaufen ein als wären wir auf dem Wochenmarkt. Wie wir später erfahren, haben sich einige Panamesen darauf spezialisiert, uns Yachties in der Einsamkeit von Kuna Yala mit Lebensmitteln zu versorgen. Wir können Eier, Brot, Obst, Gemüse und manchmal sogar ein Hühnchen kaufen. Alles zu moderaten Preisen. Paradiesische Zustände!

Auf Porvenier treffen wir leider nur den Imigrationsbeamten. Der Hafenmeister hat frei und kommt erst in ein paar Tagen wieder. Wir erledigen die Formalitäten, bezahlen unsere Gebühren, auch beim Congreso Central, der obersten Behörde der Kuna und verlegen das Schiff vor die nahegelegene Insel Chichime. Vom Ankerplatz aus beobachten wir die vergeblichen Bergeversuche eines Versorgungsschiffes, das auf eines der zahlreichen Riffe aufgelaufen ist. Zunächst wird das Boot entladen und die Ware auf die Insel geschafft. Säcke voll Reis, Kartoffeln, Zwiebeln, Limonen und ca. 5000 Eier stapeln sich im Schatten der Palmen. Von den Nachbarinseln kommen die Menschen um beim Entladen zu helfen. In großen Töpfen wird Reis und Hühnchen gekocht und alle werden verköstigt. Ein reines Festessen für die Kuna. Auch für uns fällt etwas ab. Wir kaufen günstig Eier, Kartoffeln und Coke. Hier am westlichsten Zipfel von Kuna Yala sind die Einheimischen schon sehr vertraut im Umgang mit Seglern. Fast alle Yachten die auf den San Blas Inseln ankommen oder sie verlassen liegen vor dem strategisch günstig gelegenen Chichime, Bald sind auch wir umringt von Ulus mit Kindern und Erwachsenen, die uns um alles Mögliche bitten. Am meisten erstaunt uns, die Bitte einiger junger Mädchen, ihr Mobiltelefon aufzuladen. Zunächst wirkt es auf uns ziemlich befremdend, dass traditionell gekleidete Kuna im Einbaum daher paddeln und ihre Handys aufgeladen bekommen wollen. Inzwischen haben wir mit entsprechenden Adaptern schon eine kleine Ladestation auf der Genesis eingerichtet. Wenn möglich tauschen wir 1 X Handyladen gegen 1 Kokosnuss. Auch Süßwasser tauschen wir gegen Kokosnüsse. Speziell die Menschen auf Chichime haben uns vor Augen geführt, dass es nicht wirklich gut ist, wenn die Kuna alle erdenklichen Dinge von uns Seglern geschenkt bekommen. Sicher sind wir im Gegensatz zu ihnen sehr reich, aber wir glauben, dass es wichtig ist zu vermitteln, dass man mehr tun muss, als nur die Hand aufzuhalten und dass alles seinen Preis hat.

Vor Chichime feiern wir Wolfgangs Geburtstag und lernen Lisa, eine der bekanntesten Mola-Macherinnen kennen. Lisa ist ein Transvestit. Sie und einige ihrer Kolleginnen gehören zu den besten Mola-Näherinnen Kuna Yalas. Nicht alle Molas die Lisa anbietet kann sie selbst genäht haben, aber sie vertreibt nur Molas, die ihrem Qualitätsanspruch genügen. Zwischen 20 $US und 80 $US muss man für eine Mola von Lisa bezahlen und es fällt mir unglaublich schwer, mich zu entscheiden.

Dann endlich am 1. April haben wir alle Formalitäten erledigt und wir können uns ganz dem Erkunden der San Blas Inseln hingeben. Wir wollen uns mit Marion und Holger von der Vela noch einmal treffen und machen uns auf in den legendären "Swimming Pool". Die von den Inseln Kalugridup, Ogoppiriadup, Banedup und dem Außenriff gebildete Lagune ist von Sandbänken und Riffen gespickt aber sehr gut geschützt. Das flache und glasklare Wasser hat ihr den Namen "Swimming Pool" eingebracht und ich habe wirklich dass Gefühl wirklich in einem Pool zu schwimmen, allerdings mit Gegenstromanlage, da die anrollende See aus Nord - Nordost die Wassermassen durch die Riffdurchlässe in die Lagune drückt. Bei einer unserer zahlreichen Schnorcheltouren begegnen wir unserem ersten Hai. Es ist ein Ammenhai. Er liegt ruhig im Schatten eines Riffüberhangs im Sand und schläft. Irgendwie sieht er satt aus, das rede ich mir zumindest ein, um meinen erhöhten Pulsschlag einigermaßen in den Griff zu bekommen. Er interessiert sich wirklich nicht für uns und so schwimmen wir weiter und bestaunen das wunderschöne Riff und die Vielfalt an Fischen und Korallen.

Hier im Swimmingpool treffen wir endlich Herwig und Veronika von der Alchemist wieder, unsere Österreichischen Freunde, mit denen wir 2007 so schöne Tage in Trinidad verbracht haben. Wir nehmen am traditionellen "Montagabend-Potluck" im Swimming Pool teil. Die Fingerfood-Party mit Bücher- und DVD-Tauschbörse wurde vor langer Zeit von Amerikanischen und Deutschen "Langzeitliegern" ins Leben gerufen. Die kleine Insel, auf der sie stattfindet wird in den Segelführern auch schon Barbeque Island genannt. Hier trifft sich alles was Rang und Namen hat in der Seglerszene und einmal muss man/frau das gesehen haben - wir finden, öfter muss aber nicht sein!!

Uns zieht es wieder in einsamere Gefilde. In den West Coco Banderos sind wir für einige Tage die einzige Yacht, die vor Orduptarboat liegt. Auch hier begegnen wir Haien und Rochen und genießen die Ruhe. Jetzt, wo wir uns entschlossen haben die komplette Saison in Kuna Yala zu verbringen, wollen wir noch mal in den Osten zurück um einige der traditionellen Inseln zu besuchen und mehr über die Kuna Kultur zu erfahren. Auf Nargana und Jesus de Corazon machen wir noch einmal Halt und kaufen eine große 12 kg Gasflasche samt Regler, da wir unsere 3 kg Butangasflaschen hier nicht gefüllt bekommen. Danach machen wir noch einen kurzen Abstecher vor Green Island um Gabriele und Rudolf von der Sunway zu treffen. Dann machen wir uns auf den Weg gen Osten. Zunächst besuchen wir die Insel Tigre. Die Insel hat eine Schule, einige Geschäfte, ein kleines Gesundheitszentrum und ein kleines Restaurant mit 2 - 3 Hütten, in denen Touristen untergebracht werden können. Wir bezahlen 6 $US und dürfen uns dann auf der Insel frei bewegen. Wir besuchen die Schule und sprechen mit einer Lehrerin.

Wir verbringen ein paar schöne Tage in Snog Harbor mit den Alchemisten. Herwig und Veronika sind auf dem Weg nach Cartagena. Wir grillen Fleisch und Fisch auf Apaidup und haben viel Spaß miteinander. Unser nächstes Ziel ist Ailigandi. Der Ankerplatz liegt zwischen Insel und Festland und ist ziemlich dreckig. Schwimmen können wir hier sicher nicht, dafür ist der Besuch der Insel sehr interessant. Wir erleben eine Veranstaltung bei der die jungen Menschen einiger umliegenden Inseln verabschiedet werden um auf die Universität nach Panama City zu gehen. Die Sahilas der Inseln und Vertreter der Panamaischen Regierung sind versammelt. Wir lernen Aurelio kennen, der früher Sahila war und jetzt als Heiler tätig ist. Er lädt uns zu sich nach Hause ein und ich muss von seiner Medizin probieren. In einem kleinen Restaurant nehmen wir unter Beobachtung zahlreicher neugieriger Kuna Kinder ein Frühstück ein und zwei kleine Mädchen begleiten mich einen Nachmittag lang auf meinem Inselrundgang. An einem der Nachmittage besichtigen wir die nahegelegene kleine Hotelanlage. Dort lernen wir Bela, Tom und Baby Kai kennen. Sie verbringen ihren Urlaub auf der kleinen Insel. Von ihnen erfahren wir, dass das der Aufenthalt in der Anlage sehr teuer ist und dass die Kuna noch weit davon entfernt sind perfekten Service zu bieten ;-)

Die drei sind sehr an unserer Yacht interessiert und so holen wir sie kurzer Hand mit dem Dinghy von ihrer Insel ab und bringen sie auf die Genesis, wo sich Baby Kai sichtlich wohlfühlt.

Bevor wir weiterfahren, decken wir uns noch einmal reichlich mit Obst ein. Es ist gerade Mangozeit und die Früchte schmecken ausgezeichnet und sind äußerst günstig. Auf Mamitupu besuchen wir noch einmal Pablo und seine Familie und vertiefen unsere Bekanntschaft. Wolfgang verlegt eine 12V-Stromleitung für den Gemeinschaftsraum des kleinen Hotels und hilft Asanti, der Frau von Pablo, beim Tragen der Kokosnüsse, was hier in Kuna Yala ausschließlich Frauenarbeit ist.

Ustupu ist die größte Ansiedlung in den San Blas Inseln. Nahezu 3000 Menschen leben hier. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen und uns fallen die sehr schön hergerichteten Anwesen auf. Einige der Kuna, die wir hier treffen erzählen uns von ihren Reisen ins Ausland und von Verwandten, die im Ausland leben. Dementsprechend neugierig sind die Menschen und wir müssen viel von uns und unserer Reise erzählen. So gefordert, werden meine Spanisch-Kenntnisse immer besser. Ustupu hat eine weiterführende Schule und der Congreso General spielt mit dem Gedanken hier die erste Universität Kuna Yalas zu errichten. Es gefällt uns sehr gut und wir machen uns nur ungern wieder auf den Weg Richtung Westen. Aber wir wollen vor der Regenzeit mit ihren zahlreichen Gewittern und Moskitos die Inseln in Festlandnähe verlassen und die weit draußen vor den Außenriffen gelegenen Inseln aufsuchen.

Vor Carti treffen wir wieder auf die Alchemisten, die uns einige Leckereien von Cartagena mitgebracht haben. Mit ihnen und ihrem Besuch verbringen wir ein paar schöne Tage vor Gunboat Island und verabreden uns in zwei Wochen zu einer Rivertour mit Lisa im Rio Sidra. Während die vier Richtung Holandes weitersegeln, verlegen wir die Genesis vor das Außenriff der Lemon Cays zur Insel Yansaladup. Wir ankern vor einer kleinen unbenannten Insel, auf der Griselda mit ihrer 10köpfigen Familie lebt. Die Insel bietet Platz für eine Wohn-, eine Kochhütte, und ein kleines Sonnendach. Es gibt weder Baum noch Strauch und die Insel ragt gerade mal 1 Meter aus dem Wasser. Alles was die Familie zum Leben braucht muss vom Festland oder größeren in der Nähe liegenden Inseln besorgt werden. Zwischen der Genesis und der dort lebenden Familie entwickelt sich ein reger Tauschhandel. Wir geben Wasser, Segeltuch, Nadeln, Angelleine, eine kleine Solarlampe und T-Shirts und bekommen dafür Fisch, Langusten, Molas, Mangos, kleine Muscheln und einen geräucherten Fisch. Im Laufe der Woche kommt die komplette Familie an Bord und beäugt alles neugierig. Besonders Griselda, die Oma ist äußerst interessiert und lässt sich alles genau zeigen und erklären. Bei Besuchen auf der Insel machen wir Bilder, die wir ausdrucken und als Souvenir zurück lassen. Später erfahren wir, dass die ganze Familie wegen eines Vergehens eines Familienmitglieds für fünf Jahre auf diese kleine Insel verbannt worden ist.

Nach einer interessanten und lehreichen Woche machen wir uns auf zu unserer Verabredung mit der Crew der Alchemist. Vor Salardup lassen wir uns von Lisa, der "Master-Mola-Makerin" zu einem Ausflug an und in den Rio Sidra abholen. Morgens um 8.30 Uhr kommt das Boot und bringt uns an Land. Eine ca. 1,5stündige Wanderung führt uns durch dicht bewachsenes ansteigendes Gelände. Im Küstenbereich überwiegen Palmen, Bambus, Gräser und Mangobäume. Je höher wir kommen, desto dichter wird wachsen die tropischen Pflanzen. Farne, Sukkulenten, wilde Ananas, Cashewnüsse usw. Lise und ihre beiden Begleiter gehen zügig voran. Sie müssen immer wieder auf uns warten, da wir staunend und auch ein bisschen außer Puste immer wieder stehen bleiben. Als wir das Flussbett zum ersten mal durchqueren bekommen wir ein aus kleinen Zweigen gebautes Kreuz mit der Anweisung das bei uns zu tragen. Es soll uns vor Schlangen, bösen Geistern und anderem Unglück bewahren. Lisa erzählt uns, dass alle Kuna, wenn sie an Land gehen ein solches Kreuz dabei haben.

Unterwegs besuchen wir einen Friedhof. Lisa entzündet am, Grab ihrer Mutter Kakaobohnen. Mehrmals im Monat besuchen die Kuna ihre Toten. Die ganze Familie begibt sich auf den Friedhof und verbringt einen Tag mit Kochen, Essen, Spielen, Singen gemeinsam mit ihren Vorfahren. So sollen die Toten davon abgehalten werden die Kuna in ihren Dörfern zu besuchen.

Am höchsten Punkt der Wanderung angekommen stehen wir auf einer etwa 5,5 m hohen Klippe, unter uns der Fluß mit einem ausgewaschenen Becken. Ehe wir uns richtig orientieren können, hat sich Lisa schon von der Klippe gestürzt und fordert uns auf es ihr nach zu machen. Mehr oder weniger enthusiastisch springen wir alle in das kühle Nass und planschen ausgiebig im erfrischenden Süßwasser. Nach einem leckeren Picknick machen wir uns auf den abenteuerlichen Weg durchs Flussbett zurück zum Ausgangspunkt unserer Reise. Auf dem Weg dahin muss Wolfgang einen der beiden Begleiter aus dem tiefen Wasser retten. Er kann nicht schwimmen und klammert sich als er den Boden unter den Füßen verliert panisch an Lisas Rücken, die auch nicht besonders gut schwimmen kann. Mit Wolfgangs Hilfe und Dank unseres Talismans ist alles gut gegangen.

Unser nächstes Ziel sind die East Lemon Cays. Drei Inseln und diverse Riffe und Untiefen bilden eine geschützte Ankerbucht und wir wollen dort Bekannte von Herwig und Veronika treffen, denen wir etwas mitbringen sollen. Die Einfahrt ist wie immer etwas trickreich aber die Sicht ist gut und das Wasser kristallklar, so dass Wolfgang bei 7 - 8 m Tiefe bis auf den Grund sehen kann. Zunächst ankern wir weit ab von allen anderen Yachten zwischen einer Insel und einem Riff. In der Regenzeit die inzwischen angebrochen ist muss man mit wechselnden Winden rechnen, es ist also wichtig, dass das Schiff viel Platz zum Schwojen zu hat. Nach zwei Tagen ankern wir um. Wir legen die Genesis neben die VonnieT von Heike und Wolfgang, da wir uns dazu entschlossen haben während unserer Reise nach Costa Rica das Schiff hier in der Bucht liegen zu lassen. Wolfgang und Heike werden darauf aufpassen!!

Und wieder stelle ich fest, dass ein Stück der "alten Beate" verschwunden ist, nämlich das Stück, dass für "Vorsicht", "Misstrauen", "Skepsis" zuständig war. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen mein ganzes Hab und Gut jemandem anzuvertrauen, den ich gerade mal 3 Tage kenne. Ich bin froh, dass das so ist - und es ist natürlich alles gut gegangen während unserer 14tägigen Abwesenheit - davon aber später mehr!!

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