45 cartagena schönste stadt südamerikas
 
Das Einklarieren in Cartagena läuft über einen sogenannten Agenten. Die Behörden haben scheinbar keine Lust die Formalitäten mit müden, der spanischen Sprache nicht mächtigen Skippern und Skipperinnen zu erledigen sondern greifen auf Profis zurück. Einer dieser Profis vor Ort ist Manfred; Deutscher seit ca. 24 Jahren in Kolumbien und seit 16 Jahren in Cartagena. Ihn treffen wir am Freitagmorgen im Club Nautico zusammen mit der Hydra Crew, die gestern Nacht um 2 Uhr eingelaufen ist und mit den Velanern. Alles ist recht unkompliziert. Manfred bekommt die Papiere und 60 $US und am selben Abend ist alles erledigt.

Wir machen einen ersten Ausflug in die Stadt. Das historische Stadtzentrum ist in ca. 15 Minuten zu Fuß zu erreichen. Der erste Eindruck ist sehr widersprüchlich und macht uns neugierig. Die Stadt scheint viele Gesichter zu haben. Sie ist seit 1984 UNESCO Weltkulturerbe und große Teile des alten Stadtkerns sind wunderschön restaurier. Auf dem Weg ins Zentrum finden wir aber auch zugemüllte Ecken und Straßen. Wir schlendern ziellos durch die Gassen und nehmen mit allen Sinnen das Flair dieser Stadt auf. An einer der Straßenkreuzungen werden wir von Julio einem einheimischen Geschichtslehrer angesprochen. Er führt uns in ein nahegelegenes Café wo wir plaudern und er uns seine Dienste als Fremdenführer anbietet. Dabei erfahren wir, dass die Kolumbianer 3 Monate Schulferien haben und er deshalb momentan Zeit hätte uns die Stadt und das Umfeld zu zeigen. Wir schreiben uns seine Telefonnummer auf. Vielleicht nehmen wir sein Angebot an.

Am gleichen Abend machen wir uns zu sechst auf den Weg zu einem nächt-lichen Stadtbummel, der nicht weniger beeindruckend ist. Bis zum 9. Januar, erzählt mir eine Zeitungsverkäuferin werden die Weihnachtsdekoration aus bunten beleuchteten Figuren und der große Weihnachtsbaum noch stehen bleiben, dann bekommt die Stadt ihr Alltagsgesicht wieder.

Am 11. Januar feiern wir gemeinsam mit Marion, Holger, Ursula und Rudi meinen 50. Geburtstag. Es gibt Frühstücksbuffet auf der Genesis. Wir verbringen einen netten Vormittag und ich freue mich sehr über die herzlichen Glückwünsche und die Geschenke mit den selbstgebastelten Geschenkverpackungen. Abends stürzen Wolfgang und ich uns noch ins Nachtleben von Cartagena. Unzählige E-Mails und Anrufe zeigen mir, dass auch ihr zu Hause mich nicht vergessen habt. VIELEN DANK!

Ein bisschen wehmütig bin ich trotz des schönen Tages aber doch. Ich hätte schon gerne mit alten Freunden und der Familie gefeiert. Aber frau kann halt nicht alles haben.

Der Ankerplatz liegt strategisch geschickt und eigentlich auch sehr schön. Mit Blick auf die Altstadt und die Skyline vom Stadtteil Bocagrande. Einziger Nachteil ist, dass die Wasserqualität sehr zu wünschen übrig lässt und baden gehen völlig unmöglich ist. An Land gibt es eine kleine Marina, den Club Nautico, deren Infrastruktur wir für kleines Geld nutzen können. Einen Waschsalon, die Duschen, eine kleine Bar, eine Büchertauschbörse und Internet. Gleich um die Ecke ist ein sehr gut ausgestatteter Supermarkt. Wir füllen unsere Vorräte an frischen Waren wieder auf und ich wage mich endlich an das Experiment Rinderfilet nach einem Rezept von Waltraud von der Salima Due, zu trocknen. Bei einem Preis von 10,00 € pro Kilo könnten wir auch einen Fehlschlag hinnehmen.

Im Laufe der nächsten Wochen entdecken wir die Stadt scheibchenweise. Immer wieder gehen wir in verschiedensten Konstellationen auf Entdeckungsreise. Zur ausgiebigen Shopping-touren nur wir Mädels. Die Jungs dafür mehrere Male in den Baumarkt oder andere Hardwaregeschäfte. Die Geschäfte in den wunderschönen Gebäuden der Altstadt haben ein besonderes Flair mit ihren Holzbalken und schönen bunten Bodenfließen. Es gibt sehr edle Kleider-, Schmuck- und Souvenirgeschäfte neben gepflegten Restaurants und Bars. Ein kleines Stück außerhalb des historischen Stadtkerns zeigt sich uns ein anderes Bild. In dem schmalen Gassengewirr finden wir dicht gedrängt in vollgestopften mehr oder weniger kleinen Räumen die unterschiedlichste Waren- und Dienstleistungsangebote. Die Geschäfte sind in bestimmten Gassen oder Vierteln zusammengefasst. So gibt es eine Straße mit vor- wiegend Stoffgeschäften und Nähzubehör, oder in einem Viertel die Schuhgeschäfte, oder Druckereien und Kopiergeschäfte. Die Hotels sind in einem ganz bestimmten Viertel zu finden und überall auf den Straßen gibt es Straßenhändler, die alles Mögliche verkaufen. Das Angebot reicht von Agua (Wasser) über verschiedenste Speisen, Süßigkeiten, Eis, Sonnenbrillen, Musik-CDs, Gemälde, Hängematten, verschiedenstes Kunsthandwerk bis hin zu Zigarren und Zigaretten. Am gefragtesten sind die fliegenden Caféhändler, die bewaffnet mit mehreren Thermoskannen und Plastikbechern den heißen gesüßten Café anbieten.

Mit dem Fotoapparat bewaffnet machen wir mehrere Ausflüge und versuchen die restaurierten Gebäude mit ihren tollen Balkonen und andere Sehenswürdigkeiten der Stadt, sowie das quirlige Leben in den Straßen fest zu halten. Auf einem der Plätze werden allabendlich Tanzveranstaltungen abgehalten. Jugendliche zeigen hier ihr Können. Von einer Gruppe Breakdancer, die nur nach Trommelrhythmen über den Platz wirbeln sind wir fasziniert. Aber auch die traditionellen Tänze, die stark von der Sklavenzeit geprägt sind, mit ihren bunten Kostümen sind sehenswert.

Wir besichtigen das Castillo San Felipe de Barajas, das 1697 nach dem Einfall von Sir Francis Drake gleichzeitig mit der ca. 11 km langen Stadtmauer als Schutzwall erbaut wurde.

Das Bauwerk ist gewaltig und man kann sich vorstellen, was das mit den damaligen Mitteln für eine Quälerei gewesen sein muss es zu erbauen. Leider kann man es nur von außen besichtigen und durch einige unterirdische Gänge laufen. Aber alleine für die Aussicht auf die unter uns liegende Stadt und das Meer hat sich der anstrengende Aufstieg zum Castillo in der heißen Sonne von Cartagena gelohnt.

Den Überlandausflug mit Julio zum Vulcano und zum Botanischen Garten streichen wir, da wir, schon fast ansässig hier in Cartagena, nicht zu den typischen „Touri-Sehenswürdigkeiten“ wollen. Dafür entschließen wir uns zu einer Busfahrt ins ca. 120 km entfernte Barranquilla. Zunächst zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle, dann mit einem der bunten, schrägen Kamikazebusse zum Busbahnhof, der etwas außerhalb liegt. Dann die ca. 2,5 stündige Fahrt. Je weiter wir uns vom Stadtkern entfernen, desto ärmlicher wird die Gegend. Jetzt sehen wir auch wieder den allseits vorhandenen Müll auf den Straßen und in den Vorgärten. Wir fahren durch weite Gebiete mit Rinderfarmen und Haziendas und vorbei an großen Seen. Außerhalb von Barranquilla werden wir vom Bus abgesetzt und nehmen uns ein Taxi ins Stadtzentrum. Wie in jeder Stadt gibt es einen großen Markt auf dem es fast alles gibt was man sich vorstellen kann. Zusätzlich zum üblichen Warenangebot gibt es in Barranquilla zurzeit „Faschingsmasken“ in allen Variationen zu kaufen, da Ende Februar der berühmt berüchtigte Kolumbianische Fasching stattfindet.

Auch hier gibt es schöne alte Kolonialbauten, die allerdings mangels EU-Gelder verfallen und ziemlich mitgenommen aussehen. Trotzdem wird jeder Winkel genutzt um irgendwelche Waren anzubieten. Wir fragen uns, ob die Nachfrage hier wirklich so groß ist, dass all diese Geschäfte überleben können. Der Verkehr ist immens und es ist schade, dass wir auf unseren Bildern nicht den Höllenlärm, eine Mischung aus Motorenlärm, Hupen, Rufen und lauter Musik, die aus fast jedem Geschäft dröhnt, festhalten können. Wir haben selten eine SO laute Stadt erlebt. Neben Autos, Lastwagen, Bussen, Motorädern und sogenannten Fahrradkutschen sehen wir viele Esel mit oder ohne Karren, die als Transportmittel eingesetzt werden.
Auch mit dem Warenangebot in den Geschäften sind wir sehr zufrieden. Wolfgang kann ein einem Farbengeschäft endlich die kleinen Mengen Farbe in Schwarz, Rot und Gelb kaufen, damit er unserem Windgenerator eine kleine Deutschland-Flagge aufmalen kann und Rudi hätte hier den Elektromotor für seinen Wasserpumpe für wenig Geld kaufen können, die er aber leider schon für viel Geld in Frankreich bestellt hat. Bevor wir uns auf die lange Reise zurück nach Cartagena machen, stärken wir uns auf dem Markt mit Chorizzos und Café, den wir sehr loben und uns damit Freunde unter den Verkäufern machen. Nach einigen Tipps und der Information, dass wir zum Karneval unbedingt kommen müssen, werden wir allesamt freundlich mit Handschlag verabschiedet. Der Tag ist lang und anstrengend aber wir sind uns einig. Das Kontrastprogramm „Barranquilla“ ist eine Bereicherung gewesen.

Das bunte Treiben in der Altstadt und die freundlichen Menschen von Cartagena locken uns immer wieder. In der schönen Buchhandlung „abaco“ sind wir schon Stammgäste. Bei leckerem Kuchen und Café beobachteten wir die Kunden beim Schmökern - schade, dass sie nur spanische Bücher haben. Im El Bistro, das von zwei Deutschen geführt wird, kaufen wir regelmäßig unser Brot und im nahegelegenen „Eine-Welt-Laden“ erstehen wir Schmuck und Postkarten. Auf unseren Streifzügen entdecken wir immer wieder Neues. Die wunderschönen Türklopfer, die wirklich noch benutzt werden, die zahlreichen Skulpturen oder die prächtigen patios (Innenhöfe). Und immer wieder Begegnung mit freundlichen, neugierigen Menschen.

Auch das Angebot an Restaurants ist groß wir gönnen uns ab und zu Café und Abendessen in der Altstadt oder Cerveza (Bier) bei der Happy Hour im Club Nautico. Natürlich machen wir auch hier neue Seglerbekanntschaften. Markus und Ane von der Flow erzählen uns, dass sie Weihnachten mit Hans und Sabine von der Black Pearl verbracht haben. Die beiden jungen Leute lassen ihr Schiff hier in Cartagena um in Deutschland mal wieder ein bisschen Geld zu verdienen, ehe sie weitersegeln können. Oliver, unser Ankerplatznachbar, der schon drei Wochen länger hier ist als wir versorgt uns mit brauchbaren Informationen und macht uns mit Einheimischen bekannt, so dass ich auch ein bisschen Spanische Konversation betreiben kann. Etliche „San Blas-Profis“ sind hier vor Anker und so gibt's mal wieder viele Tipps, die uns richtig neugierig machen und dafür sorgen, dass wir trotz unserer Begeisterung für Cartagena wieder Fernweh verspüren.

O.K. dann ausklarieren und los geht es in die San Blas. Am Montag noch mal frische Ware bunkern: Obst, Gemüse, ein Stück Rinderbraten wird eingelegt, Schweineschnitzel vakuumiert. Am Dienstag wird das Schiff zum Auslaufen klar gemacht. Noch mal Wetter einholen - und das war's dann auch.

Der Wetterbericht bringt nichts Gutes. Auf unserem geplanten Kurs ist Sturm angesagt und die Welle steigt auf 5 – 6 Meter. Frust kommt auf. Wir haben schon ausklariert und eingekauft und irgendwie wollen wir nach 4 Wochen auch endlich weiter. Nach einigen Diskussionen beschließen wir hier zu bleiben. Laut Wetterbericht müssen wir mehrere Tage hierbleiben, wenn wir für unsere Reise optimale Bedingungen wollen. Also verlängern wir unseren Aufenthalt auch offiziell und nutzen die „geschenkte“ Zeit. Wolfgang kauft sich endlich das lang ersehnte Ordnungssystem für seine Werkstatt und organisiert alles um und die Genesis bekommt zwei Ledercover für ihre Steuerräder.

Ich gehe noch mal auf Fotosafari in die Stadt und ihr profitiert in so fern auch davon - weil so der Bericht über Cartagena noch zu Stande kommt. Bis zum nächsten Bericht „SAN BLAS INSELN und die KUNA INDIANER“ wird einige Zeit ins Land gehen. Mangels WIFI werden wir so schnell nicht in der Lage sein die Internetseite zu aktualisieren. Aber ihr könnt ihn mit Spannung erwarten…

zum seitenanfang
download bericht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
bilder