Die Strecke von Aruba nach Cartagena ist für viele Segler eine Angststrecke. In den Hafenkneipen werden die Wellen immer höher und die Überfälle immer schlimmer wenn manche Segler nach dem dritten Bier davon erzählen. Auch wir haben etwas Schiß davor. Dieses Seegebiet hat immer hohe Wellen und wegen eins stationären Tiefs vor der Küste von Kolumbien auch viel Wind, es zählt deshalb zu den fünf gefährlichsten Segelrevieren der Welt. Wir haben uns für die Strecke entlang der Küste entschieden. Die Wellen sind moderater, haben wir gelesen, und man sieht etwas von der Gegend. Mit uns fährt die "Vela". Das Wetterfenster ist gut und Überfälle auf Segler gab es schon länger nicht mehr als wir am 2.1.2009 starten.
Den ersten Schlag von Aruba bis zum Cabo de la Vela bringen wir in einem Nacht- und Tagschlag hinter uns. Etwa 3m hohe Wellen und bis auf die letzte Stunde knackiger Segelwind. Es ist ja schon lange her dass wir nachts bei diesen Bedingungen gesegelt sind und wir müssen uns zuerst mal wieder daran gewöhnen. Am Capo de la Vela gibt es einen kleinen Ort und das Kap ist bei den Besuchern bekannt für seine spektakulären Sonnenuntergänge. Abends tauschen wir bei den Fischern Reis gegen Fisch. Sie haben uns nach Lebensmitteln gefragt, wollten aber nichts geschenkt und so gibt es halt wieder Fisch.
Zurzeit sieht unsere eigene Fangquote ganz gut aus, vor ein paar Tagen ging ein schöner Tuna an den Haken. Nicht ganz so schwer aber für 4 Personen hat es zwei Tage gereicht. Ein großer Marlin hat an der Küste von Curacao (zum Glück!?!?) nach dem zweiten Sprung abgerissen. Ich denke, da währen wir überfordert gewesen und wir hoffen dass der Haken schnell aus dem Maul des Schwertfisches rostet.
Am nächsten Tag geht es weiter die Küste entlang, wir halten maximal 15 Meilen Abstand. Die Welle kommt ungebremst aus Nordost, aber bei raumem Wind ist das für unser Schiff und uns kein größeres Problem so dass wir spektakulär aber wohlbehalten in einer der Five Bays vor Anker gehen. Die Einfahrt ist schmal, mittendrin liegt noch ein Flach und wenn dann die Riesenwellen von hinten schieben, das hat echt was. Aber Beate bringt die Genesis gut rein.
Wir sind wie am Vortag die einzigen Schiffe in der Bucht. Abends gibt es dann Besuch von der Guardacosta. Auch sie wollen wissen, woher und wohin, sind sehr freundlich und warnen uns vor den heftigen Fallböen. Nachts orgeln sie dann auch mit 35 Kn durch die Bucht. Aber der Anker hält und wir schlafen gut.
Tags drauf dann das gefürchtete Cabo Aguila. Bis kurz davor fahren wir unter Autopilot bei etwa 3m Welle und raumem Wind. Dann kommt das Kap. Innerhalb von 50 Meter steigt der Meeresboden hier von 850 m auf unter 5m an. Und das ganze Wasser muss da durch. Die Wellen sind richtig hoch. Dazu ein ausgeprägter Kapeffekt, weil auch der Wind um dieses Kap muss. Gut dass die Wellen mit uns laufen und weiter von schräg hinten kommen. Beate hat, während sie uns gekonnt um diese Ecke fährt, ziemlich weiße Knöchel, so gut hält sie das Steuerrad fest. Nach einer halben Stunde ist das schlimmste rum und wir haben wieder einmal eine spektakuläre Herausforderung gut überstanden. Leider bleibt das Wetter diesig, so dass wir nachmittags die schneebedeckten Fünfeinhalbtausender, die hier nahe der Küste liegen, nicht so gut sehen können.
Unsere nächste Station ist Rodadero, eine Bucht mit viel Tourismus. Hier machen die Kolumbianer Urlaub. Alle paar Minuten werden wir von Männern, Frauen und Kinder auf Motorbooten, Jetskis und Tretbooten besucht und müssen erzählen was wir hier machen. Alle sehr freundlich und neugierig. Das ist schon der Megakontrast zu den vorherigen einsamen Ankerbuchten aber auch toll.
Auf der nächsten Tagesetappe segeln wir durch das Mündungsgebiet des Rio Magdalena Richtung Westen. Hier kommt richtig viel Wasser und es gibt eine ganz schön hohe Welle. Ich denke, da haben wir die 5 Meter locker getoppt. Schon heftig, wenn du zwischen Bimini und Yacht überall nur Wasser siehst und der Himmel verschwindet . Aber die Genesis kann das und wir, wie wir jetzt wissen, auch.
Gut dass wir vormittags an diesem Delta sind, es gibt neben der hohen Welle auch viel Schwemmholz. Es werden manchmal ganze Urwaldriesen angeschwemmt. Das Wasser wird von einem Meter auf den anderen hellbraun. Nachts wollten wir da nicht durch!
Gegen Abend ankern wir im Schutz eines Riffs. Es ist etwa eine halbe Meile lang und 50 Meter breit und auf keiner einzigen Karte verzeichnet. Echt war! Bei uns heißt es jetzt "das vergessene Riff". Die Leute sind nett, zwei sind extra zu uns raus geschwommen um festzustellen, wo wir denn wohl herkommen. Ausgerechnet hier im Starkwindrevier vor Kolumbien lässt uns dann am nächsten Tag der Wind im Stich und wir müssen die letzten 60 Meilen dieser Reise motoren.
So haben wir wenigstens volle Batterien und warmes Wasser als nach fünf Tagen gegen 15 Uhr unser Anker in Cartagena ins Wasser fällt. Keine Wellen mehr, schön flaches Wasser. Alles gut gegangen, keinerlei Probleme mit der Genesis. Nur freundliche Menschen. Wir fallen müde in die Koje. Und Morgen schauen wir uns die angeblich schönste Stadt Südamerikas an. Cartagena, wir kommen!!
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