| 41 aUGUST/SEPTEMBER | |
Den August beginnen wir mit einem Kurztrip nach Coche, einer kleinen Insel zwischen Margarita und dem Festland von Venezuela. Wir wollen uns noch einmal richtig erholen bevor wir die Genesis aus dem Wasser holen. Mit den "Black Pearls" erkunden wir die Insel. All-Inclusive-Hotels mit vielen europäischen Gästen. Der Ort ist einfach aber verhältnismäßig sauber. Auch um die kleinste Hütte eine Mauer mit Stacheldraht und einbetonierten Glasscherben. Die Kriminalität ist auch hier allgegenwärtig. Am zweiten Tag können wir das wieder Wasser genießen. Die Quallen vom Vortag, teilweise groß wie Klodeckel, haben sich verzogen. Abends treffen wir uns mit Lothar von der Tamara und den Österreichern zu einem Bier auf der Genesis. Lothar geht morgen weiter ans Festland.
Wir fahren am 22.August nach Chacachacare. Dort müssen wir noch einen Tag warten bevor wir aus dem Wasser geholt werden. Der Abstellplatz ist vom Regen so weich dass der Kran einsinken und wir mit unserer Yacht aufsitzen würden. Morgen soll Hans mit dem Taxi kommen und mir beim Ausbau des Wellenlagers helfen. In der Nacht hatte ich schon alles vorbereitet. Die Schrauben der Flansch, die die Welle hält, sind so fest, dass ich sie mit dem 12er Inbusschlüssel nicht öffnen kann. Ich baue mir noch in der Nacht eine Nuss in die ich einen abgesägten Inbusschlüssel einklebe. In der BRD kann man so ein Werkzeug in jedem Baumarkt kaufen. Nach drei gebrochenen Sägeblättern und blutigen Händen kann ich die Schrauben endlich öffnen. Ziemlich fertig schlafe ich unruhig das erste Mal nach 10 Monaten wieder an Land. Beate und ich vermissen beide die vertraute Schaukelei unserer Genesis. Es ist richtig heiß als Hans und ich die Welle ausbauen und das Lager wechseln. Hans hat viel Erfahrung so geht alles glatt. Auch der Einbau der Welle und einer neuen Wellendichtung wird von uns professionell erledigt. Jetzt können wir unser Schiff alleine lassen und gemeinsam mit unseren österreichischen Freunden ins Landesinnere von Venezuela starten.Beate hat den Trip exzellent vorbereitet und alle notwendigen Deals abgeschlossen. Wir fahren an Bord der Black Pearl als Gäste von Hans und Sabine über Coche und den Mochima-Nationalpark nach Puerto La Cruz, wo wir in der Marina Redonda festmachen. Es macht Spaß auf einem fremden Schiff gesegelt zu werden, besonders wenn es so luxuriös ist wie die Black Pearl. Wir haben unsere eigene Kabine und werden von den Eignern verwöhnt. Wir haben etwas wenig Wind, aber ein paar Stunden können wir doch mit der 52 Fuß Ketsch segeln. Toll!! Wir besorgen uns noch schnell die Tickets für den Bus ins Landesinnere dann die letzten Stunden Schlaf auf dem Schiff. Morgens geht's früh zum Busbahnhof. In Venezuela wird alles mit dem Bus transportiert. Menschen, Waren , Tiere und.. und.. und. Die Busstation brummt wie ein Bienenstock als wir die Rucksäcke in einem Mercedes Bus verstauen und es uns im zweiten Stock bequem machen. Die Fahrt nach Ciudad Bolivar wird nur durch drei kurze Aufenthalte in Städten und einem schweren Verkehrsunfall mit Toten unterbrochen. Gegen 14:00 kommen wir an unserem Ziel an und lassen uns mit einem Taxi in die gebuchte Posada "La Casita" bringen. Etwas außerhalb der Stadt gelegen ist sie eine richtige kleine Oase mit Pool, Palmen, akzeptablen Zimmern und einem guten Abendessen. Früh morgens werden wir zum kleinen Flugplatz gebracht.Von hier aus wird alles von den Indianern selbst verwaltet, die sich eine politische Teilautonomie erstritten haben. Der Flug mit einer kleinen fünfsitzigen Cessna ist die einzige Möglichkeit um Canaima zu erreichen und die Indianer haben den Bau einer Straße erst im letzten Jahr zum wiederholten Mal abgelehnt. Beim einchecken werde die Alkoholvorräte beschlagnahmt und dann geht es mit unseren Freunden und zwei weiteren Deutschen in die Luft. Der Start des Miniflugzeuges ist etwas mühsam. Wir haben erhebliches Übergewicht und die Motoren müssen lange im roten Bereich laufen bis sieben Personen, sechs Rucksäcke, 360 Eier, ein großer Karton mit Milch, etwa 80 Packungen Spagetti und mehrere große Packungen Pampers die Reiseflughöhe erreicht haben. Der Flug nach Canaima ist ruhig. Wir starten über den Orinoko, fliegen über endlose tropische Vegetation, einige mal unterbrochen von kleinen Haziendas, sehen unter uns die riesigen Flachwasserseen "Emblas de Guri", so groß wie das Saarland, große Goldbergwerke, bis wir vor uns die ersten 2500m hohen Tafelberge des Berglandes von Guayana sehen. Ein beeindruckendes Bild, nicht mit unseren Bergen zu vergleichen. Senkrechte Felswände mit einem waagerechten Felsdach. Dem Rio Carrao folgend erreichen wir nach knapp zwei Stunden Canaima. Der Pilot zieht die Maschine in eine steile Linkskurve, dann sehen wir schon die paar Häuser und die kleine Landbahn und setzen wohlbehalten auf. Die Landebahn ist gesäumt von Flugzeugwracks, die offensichtlich nicht so viel Glück hatten. Nach der Landung erzählen wir Beate, die in der letzten Reihe saß und den Flug genossen hat, dass der Pilot, warum auch immer, den ganzen Flug über gekotzt hat. Sie will es zuerst gar nicht glauben.Wir fahren nach einer Stippvisite im Dorf mit einem umgebauten Militär-Lkw an den Anlegeplatz der etwa 8 m langen Einbäume, die uns in unser Dschungelcamp bringen sollen. Sie sind noch wie früher aus einem Urwaldriesen gebaut, wobei neben der Axt, wie wir sehen können, auch schon mal die Stihl-Kettensäge benutzt wird, um den Baum auszuhöhlen. Angetrieben werden sie durch einen Yamaha Außenborder mit 45 PS, zusätzlich sitzt im Bug ein weiterer Indianer mit einem großen Holzruder und verhindert, dass der Einbaum in der Strömung quer schlagen kann. Unser Guide Carlos, ein sehr sympathischer etwa 25 jähriger Indianer, der an der Uni gut englisch gelernt hat. gibt uns noch einige Sicherheitstips, dann geht's los. Die erste Stunde geht es den etwa 200 m breiten ruhig fließenden Rio Carrao hinauf, dann müssen wir aussteigen und etwa 45 Minuten zu Fuß gehen. Eine Stromschnelle bewältigt der Bootfahrer ohne Passagiere. Wir steigen wieder ein um nach weiteren 30 Minuten einen Badestopp einzulegen. Ein kleiner Wasserfall bring viel frisches Süßwasser zum duschen. Für uns Yachties eine ganz neue Erfahrung. Sooo viel Süßwasser in Trinkwasserqualität, auch wenn es vom Tamin der Bäume rötlich braun gefärbt ist.. Nach etwa 2 Stunden biegen wir in den Rio Churun ab und plötzlich sehen wir vor uns etwa 1 m hohe Stromschnellen. Wir werden noch aufgefordert, die Hände im Einbaum zu lassen, schon gibt der Bootsführer Vollgas, und brettert, vom Indianer im Bug mit dem Ruder unterstützt, die Stromschnelle hinauf. Wir sind kräftig nass geworden und schauen uns noch sehr überrascht an als schon die nächsten Hindernisse auftauchen. Nach der zehnten Stromschnelle sind wir schon deutlich cooler, bis auf einige unsanfte Rempler mit großen Felsen bringt uns unser Bootsführer wohlbehalten durch den Fluss. Manchmal müssen wir uns ganz klein machen um ohne Kontakt unter den Ästen der Urwaldriesen durchzukommen, wenn in der Flußmitte Steine liegen und wir nahe an den Rand müssen. Die höchsten Stromschnellen sind etwa 2 m hoch. Ich hätte nie gedacht, dass sie mit einem Einbaum, und dann noch mit Passagieren, befahrbar sind.Rechts und links von uns sind jetzt hohe Tafelberge. Nach etwa dreieinhalb Stunden schreit unser Guide, vor uns taucht der Salto Angel auf. Der höchste Wasserfall der Welt. 985 Meter freier Fall. Wir schreien alle mit, so beeindruckend ist der Anblick dieses Naturwunders. Als wir nach etwa 4 Stunden am Fuße des Dschungelcamps anlegen, sind wir nass und gerädert. Das Sitzen mit angezogenen Beinen im Einbaum hat die Muskeln doch sehr einseitig beansprucht und mehrere tausend Wellen den Hintern bearbeitet. Zunächst genießen wir ein Bad im kühlen rot gefärbten Flusswasser. Im Camp gibt es erst mal Kaffee, dann schauen wir uns um. Ein großes Welldach auf Pfosten, eine Feuerstelle. Unter dem Blechdach ein großer grober Holztisch, daneben Platz für die Hängematten, die von unserem Guide fachgerecht aufgehängt werden. Darüber je ein Moskitonetz. Links davon die Toiletten. Und viel viel Urwald. Wir sind müde und froh dass wir an diesem Tag nichts mehr unternehmen müssen. Nach und nach tauchen auch die anderen Gäste auf.Mit den Kindern freunden wir uns schnell an. Als Beate mich Wölfchen nennt und in Lobolito übersetzt ist der Spaß für sie perfekt. Ein 100 kg Wölfchen haben sie auch noch nie gesehen. Wir lernen William kennen, einen Venezuelaner aus Caracas, der gut englisch spricht und bald erzählen alle in Spanisch, Englisch, Deutsch und Österreichisch. Zum Abendessen gebt es Hähnchen am offenen Feuer gebraten mit Reis. Kein Alkohol im Camp. Nach einer Inforunde von Carlos, der uns neben dem richtigen Gebrauch der Hängematten auch die Indianersagen des Wasserfalles erklärt, gehen wir früh schlafen. Es ist stockdunkel im Urwald und wir versuchen alle wie gelernt diagonal in den Hängematten zu schlafen. Bei einer Durchschnittsgröße von 160 cm (Indianer, Beate) mag das ja gut gehen, bei 183 cm ist das gar nicht so einfach. Aber wir schlafen alle mehr oder weniger gut. Das Frühstück ist reichlich und gut gestärkt brechen wir zum Wasserfall auf, nachdem uns der Bootsführer über den Rio Churun übergesetzt hat. Der Aufstieg ist steil und mühsam, immer wieder unterbrochen von Hinweisen auf die Tier und Pflanzenwelt. Wunderschöne Orchideen, Kampfameisen, seltenen Pflanzen aus denen die Indianer Medizin machen. Dann Endlich stehen wir am Fuß des Monsterwasserfalles. Die Bergspitze ist noch in den Wolken als die Digitalkameras die ersten Bilder machen. Dann ein Ooh und Aah. Der Wind treibt die Wolken weg und über uns ist der größte Wasserfall der Welt wolkenfrei sichtbar. Da bleibt zuerst nur Sprachlosigkeit. Nach einer weiteren halben Stunde Aufstieg sind wir direkt am ersten Gumpen und können ein wohlverdientes Bad im erfrischenden Wasser des "Salto de Angel" nehmen. Ausgelassen tollen wir im kühlen Wasser. Nach etwa einer Stunde geht es wieder an den Abstieg der wesentlich leichter ist, auch wenn man ganz genau aufpassen muss. Keine Handbreit ohne Steine oder Wurzeln. Wohlbehalten im Camp angekommen gibt es ein verspätetes Mittagsessen und gegen 14 Uhr besteigen wir wieder die Einbäume, diesmal geht's Flussabwärts. Für die Rückreise brauchen wir nur etwa 3 ½ Stunden. Das liegt auch daran dass wir die Strecke zu Fuß um den großen Wasserfall herum in Rekordzeit hinter uns bringen weil es schon später Nachmittag ist und die Moskitos uns trotz viel Spray beinahe bei lebendigem Leib auffressen. Extrem aggressiv allen sie über jedes Stück freier Haut her.In Canaima angekommen beziehen wir ein sehr einfaches aber sauberes Zimmer in einer Posada. Beim gemeinsamen Abendessen werden die Erlebnisse noch einmal aufgefrischt, dann geht es früh ins Bett. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen fahren wir mit dem Einbaum über die Lagune de Canaima und gehen zu Fuß bis zum Salto de Hacha. Nachdem die Kleidung in einer wasserdichten Plastiktüte verpackt ist hinterqueren wir diesen Wasserfall. Zwischen Millionen von Litern Wasser und der dahinter liegenden Bergwand kann man hindurchgehen. Der Durchgang ist etwa 100m lang und etwa 50cm breit. Das Wasser stürzt mit einem infernalischen Lärm zu Tal, die Luft ist voll Wasserstaub, so dass das Atmen schwer fällt, es stürmt weil das Wasser die Luft mitreißt. Fast beeindruckender als der "Salto de Angel". Viel direkter, da stehst du im Wasser und bist mitten drin in dem Getöse. Danach wieder die Möglichkeit direkt neben den herunterfallenden Wassermassen zu baden. Wir nutzen das richtig aus bevor es zurückgeht. Wirklich stark beeindrucken!!!
In Ciudad Bolivar haben wir noch Zeit für einen ausgedehnten Trip durch die Altstadt und entlang des Orinoco. Nach einem Abendessen mit Sabine und Hans in einem Steakhaus fahren wir gegen 20 Uhr mit dem Bus über El Tigrito und Anaco zurück nach Puerto la Cruz. Auf dem Schiff macht Hans trotz später Stunde noch eine Flasche Schampus auf. Es ist für lange Zeit der letzte Abend mit den Black Pearls. Morgens noch ein Frühstück, dann verabschieden wir uns von den gastfreundlichen Österreichischen Freunden. Mit der Fähre zurück nach Margarita. Am späten Nachmittag sind wir wieder auf unserem Schiff. Was für ein Ausflug nach Canaima !!!! Gegen Abend wollen wir uns nichts mehr Großes zu essen machen. Im Kühlschrank, der während unserer Abwesenheit am Stromnetz hing, ist noch ein großes Stück Wurst. Brot haben wir mitgebracht, so beschließen wir, heute gibt es Wurstsalat. Schmeckt super. Leider bekommt er uns aber überhaupt nicht. Wir sind für 36 Stunden außer Gefecht. Das Zeug kommt uns zu allen möglichen Körperöffnungen raus. Total lästig und anstrengend, wenn es heißt: nach einem Schluck Wasser bei den ersten Anzeichen raus, die Leiter runter, über den Platz zur öffentlichen Toilette. Echt Scheiße, im wahrsten Sinne des Wortes!! ach zwei Tagen geht es wieder besser. Wir haben zwar noch keinen Hunger, essen ganz wenig und sind noch etwas wackelig auf den Beinen, aber wir nehmen unser Unterwasserschiff in Angriff. Saubermachen, leicht anschleifen und 2-3 mal mit einer Spezialfarbe streichen. Selbstpolierendes Antifouling nennt sich das und soll verhindern dass sich an unserem Unterwasserschiff die ganze Tier- und Pflanzenwelt ansiedelt. Das Lösungsmittel ist giftig und darf nicht auf die Haut oder die Augen oder die Zähne kommen. Also Schutzanzug, Brille und Atemmaske. Es ist so heiß, dass wir schon um 6 Uhr mit dem Streichen anfangen. Um 8 Uhr machen wir Schluss. Die Schiffswände sind dann schon zu heiß und die Farbe trocknet schon am Pinsel. Doch nach einigen Tagen ist alles erledigt. Jetzt steht unser Heimflug im Mittelpunkt. Wir machen das Schiff noch Landklar, d.h. wegen des Sandes in dieser Wüstengegend werden alle empfindlichen Teile, wie z.B. Winschen und Windsteueranlage in Plastik verpackt. |
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