Die knapp 50 Meilen nach St. Lucia segeln wir bei schönem ESE und 3 bis 4 Bft. Zwischen den Pitons bekommen wir eine Boje direkt am Riff, so kommen wir ohne Dinghyeinsatz direkt zum Schnorcheln. Ein großer Barrakuda beäugt uns misstrauisch. Sein Furcht erregendes Gebiss hält uns auf Distanz. Auf 8 m Tiefe sehe ich eine wunderschöne, pinkfarbene Weichkoralle die aussieht, als wäre sie von innen beleuchtet.
Tags drauf geht es früh weiter nah Bequia. Auf der Strecke, die wir zu 2/3 segeln können begleiten uns wieder Delfine. Mit Fische fangen ist nichts. In der Einfahrt der Admirality Bay rauscht die Leine zwar aus, aber es ist leider nur eine große Plastiktüte. Mit Christine und Dieter von der "Christine" treffen wir uns zum Sundowner in der Strandbar. Mit von der Partie sind Gabriele und Rudolf, zwei nette Segler, die im Januar über den Teich gekommen sind und den Katamaran "Sunway" segeln. Interessante Menschen mit denen wir uns sofort verstehen. Wir beenden den Abend bei Franghipani, dem Innlokal der Insel, und den Klängen einer Steelband.
Die Wasserqualität ist sehr gut. Es gibt viel mehr Seesterne als in 2007 und wir machen viele Unterwasserbilder.
Den nächsten windarmen Vormittag nutzen wir, um die Genua runterzuholen. Sie muss zum Segelmacher, der Sonnenschutz am Achterliek löst sich.
Weiter geht's zu den Tobago Cays. Die tricky Riffeinfahrt meistern wir als alte Hasen souverän, wir treffen noch kurz die Black Pearl, die sich mit ihrem Besuch an Bord vom Acker macht. Vorher ist noch Zeit für einen schnelle Schluck Sekt, nachdem wir uns knapp 6 Monate nicht mehr gesehen haben. Wir verabreden uns auf einer der nächsten Inseln. Wir werden überraschend vom Sunwayteam zum Essen eingeladen, ein schöner Abend mit viel Spaß und leckeren Spaghetti.
In Union klarieren wir aus, nach einem 3-stündigen Zwischenstopp auf Sandy Island geht's flott weiter in die Tyrell Bay auf Carriacou. Mit dem Bus fahren wir am nächsten Morgen in die Hauptstadt Hilsborough zum einklarieren und schauen uns in der Stadt um. Dirk kommt mit seiner Carpe Diem am nächsten Mittag im Ankerfeld an. Er ist auf dem Weg nach Porlamar um sich mit Frau und Kindern zu treffen die aus der BRD kommen.
Im der Bucht gibt es eine schwimmende Metallwerkstatt, wir lassen uns dort eine neue Trennwand für den Kühlschrank machen. Am Nachmittag sitzen wir mit zwei Schweizer Seglern auf der Genesis beim Kaffee, als nur wenige Meter von uns entfernt eine große Rückenflosse durchs Wasser sticht. Ein Walhai. Der größte Hai der Welt wird bis zu 12 Tonnen schwer, ist aber ein ungefährlicher Planktonfresser. Unserer war noch etwas kleiner, eine tolle Überraschung. Viele Taucher versuchen ein Leben lang vergeblich einen Walhai zu sichten und bei uns schwimmt einer am Schiff vorbei.
Unser nächster Segeltag bringt uns neben einem schönen Halbwindkurs wieder einmal richtig viel und hohe Wellen. So wird unsere Überfahrt nach Grenada zur rauschenden Achterbahnfahrt. Auf Grenada angekommen legen wir uns in die Bucht vor St. Georges vor Anker, später verlegen wir in die Lagoon.
Vor dem Shipchandler treffe ich Gabriele und Rudolf wieder, die uns gesucht haben. Im Yachtclub vereinbaren wir bei einem Bier, dass wir am nächsten Tag eine Inselrundfahrt miteinander unternehmen. Die beiden haben für eine Woche einen Mietwagen. Die Inseltour wird zum Erlebnis. Nach einem Abstecher in den Regenwald mit einer Wanderung zum Wasserfall geht's weiter zur Besichtigung einer alten Schokoladenfabrik. Rudolf, der trotz Linksverkehr und sehr schmalen Straßen routiniert fährt, bringt uns gegen Abend in ein Ressort, das von Deutschen betrieben wird. Der Inhaber kocht uns ein leckeres Abendessen, wir unterhalten uns ausgezeichnet und genießen die Tolle Aussicht. Nachts werden wir in die Lagoon zurückgefahren. Ein gelungener Tag.
Die Arbeit kommt auch im Juni nicht zu kurz. Wir erneuern die Antenne für unseren Kurzwellenfunk. Beate zieht mich in den Mast und ich installiere ein Stahlseil als Achterstagantenne. Wieder unten bin ich einen Moment unaufmerksam und das Stahlseil rauscht aus und bleibt in der Mastspitze hängen. Beate weigert sich mich noch einmal hochzuziehen, also muss sie ran. Knapp 20 Meter sind eine beachtliche Höhe, besonders wenn die Yacht rollt, aber sie macht das professionell und so klappt es doch noch mit der Funkantenne. Am nächsten Tag streichen wir gemeinsam das von mir gebaute neue Bücherregal in Beates neuer Lieblingsfarbe. BLAU!
Am 21.Juni, unserem 21ten Kennenlerntag, gehen wir schön Abendessen. Früher sind wir mit dem Auto in ein Lokal gefahren, jetzt fahren wir mit unserem Schlauchboot. Yachties erkennt man im Lokal immer an dem nassen Hintern. Wir genießen den Abend und lassen noch einmal die letzten Jahre Revue passieren. 20 Jahre, immer noch die gleiche Frau, immer noch verliebt!
Ende Juni segeln wir auf die Testigos. Wir starten gegen 18:00, es ist schön, wieder einmal in die Nacht zu fahren. Ich genieße die Wachen, nur unter Genua fahren wir Vorwind durch die Nacht. Von den 80 sm können wir die letzten 75 segeln. Die Testigos sehen wir erst auf den letzten 5 sm, so flach sind die Miniinseln. Kurz bevor wir am frühen Morgen den Anker werfen, begleitet uns eine Schule der großen Delfine auf unserem Weg. Am nächsten Morgen dann der Start nach Porlamar auf Margarita. Unser Genacker, ein 150 qm großes Leichtwindsegel, schleppt uns übers Wasser. Erst eine Stunde vor unserer Ankunft müssen wir in Lee der Venezuelanische Ferieninsel unseren Motor starten. Dann fällt der Anker zwischen 100 anderen Yachten. Wie jedes Jahr zur Hurrikansaison trifft sich hier das Blauwasserseglervolk zum "Überwintern".
Die Black Pearl liegt schon hier, Dirk hat seine Familie und eine befreundete Familie bereits an Bord, Nora und Stanek, unser weltumsegelndes Musikerpärchen ist auch schon hier. Der Termin für das erste Konzert in der Strandkneipe ist schon fix. Aber zunächst wollen wir uns mit der Carpe Diem und der Black Pearl gemeinsam zu einem Inselhopping aufmachen. Isla Margarita - Isla Blanquilla - Isla La Tortuga - Venezuela Festland: Puerto La Cruz - Mochima Nationalpark - Golfo de Carriaco / Laguna Grande - Isla Cubagua - Isla Margarita. Dirk und Crew sowie Hans und Sabine starten am Dienstag, wir werden nachkommen.
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