37 April 2008
 

Wir verlegen am 1.4. 2008 wieder vor die Insel Il de Gosier, wegen der besseren Wasserqualität und weil es dort angeblich ruhiger ist, gehen jedoch bereits am nächsten Tag wieder in die Bucht von Point de Pitre zurück. Grund ist das Sauwetter. In den Böen acht Windstärken, ein Squall jagt den nächsten, die Wellen überlaufen das Korallenriff, so dass wir auch noch Schwell haben. So macht ankern keinen Spaß. Das Anlanden mit dem Dinghy am Ufer wird zum Glückspiel. Also zurück.

Wir gönnen uns einen kleinen Mietwagen um den Süd-Westen der Insel zu erkunden und erklettern etwa 1 Stunde den Fuß des Vulkans. Der Gipfel liegt in undurchdringlichen Wolken, es ist kalt und feucht. In einem Baumarkt finden wir für Beate einen Dremel, ein Gerät zum schleifen, bohren und polieren. Jetzt kann ihre Schmuckproduktion in Serie gehen. Wir hatten bereits in der BRD so ein Teil, haben es verkauft. War wohl etwas voreilig. Ich bekomme in einem riesigen Einkaufszentrum ein paar Crox. Super Wohlfühlschuhe aus Plastik. Der Kultschuh, nicht nur für Segler.

In der zweiten Aprilwoche gehen wir nach guten Wettervorhersagen endlich durch den Kanal "Rivier Sale", Nach einer Nacht vor Anker öffnet sich um 05:00 morgens die erste der beiden Autobahnbrücken für uns und weiter sechs Yachten, die es wagen. Wir fahren als Schiff mit dem größten Tiefgang als letzte, dann quetscht sich noch ein Franzose hinter uns. Noch ist es dunkel, unser Blick hängt gebannt auf dem Tiefenmesser. In den Karten ist der zum Teil sehr schmale Kanal durch die Mangroven mit minimal 180 cm ausgewiesen. Wir haben von 2,1 m gehört. Unser Tiefgang dürfte bei unserer Zuladung ziemlich genau bei 2,1 m liegen. Die Nerven sind angespannt. Langsam wir es heller und wir können den großen Mangrovengürtel, durch den wir in Schleichfahrt motoren, besser erkennen. Die Betonnung ist gut. Die ersten Vögel, und leider auch die ersten Moskitos erwachen. Es wird eng, als unser Tiefenmesser an einer Stelle, die in der Karte mit 2,40 vermessen ist, nur noch 2 m und dann 1,80 m anzeigt. Aber wir rutschen auch über diese Barre und unser Herzschlag beruhigt sich wieder. Ganz offensichtlich haben wir noch ein paar Zentimeter Reserve auf der Tiefenanzeige. Die restliche Durchfahrt ist unspektakulär, nach 2 Stunden und 30 Minuten erreichen wir freies Wasser, holen unser Dinghy an Bord und setzen nach einem kleinen Frühstück Vollzeug Richtung Antigua.

Unterwegs laufen wir auf die "Salina Due" auf, die ebenfalls unter Vollzeug segeln, und verständigen uns über Funk, dass wir uns gegenseitig fotografieren und filmen. Bilder unter voller Besegelung sind Mangelware. Entweder fährt man gerefft oder es ist keiner zum fotografieren in der Nähe. Am frühen Nachmittag fällt nach einem tollen Segeltag mit knapp 10 kn Spitzengeschwindigkeit unser Eisen auf unserem "Stammplatz" in Jolly Harbour". Den Abend verbringen wir mit Waltraut und Victor auf ihrem Cat, am nächsten Tag gesellen sich in der Hafenbar noch Beate und Jan von des Jason und Martin und Wil aus Holland zu uns. Viktor versorgt uns mit einer neueren Version der Navigationssoftware MAX SEA mit gutem Kartenmaterial, Beate installiert bei ihm dafür die COM-Schnittstelle für Funk und Navigation neu. Nachbarschaftshilfe eben! Die nächsten Tage vergehen bei Schwimmen und langen Telefonaten über Skyp mit Familie und Freunden wie im Flug. Es gibt hier ein sehr schnelles und freies WiFi-Netz.

Mitte April gehen wir weiter Richtung Südspitze der Insel. Wir haben beschlossen während der Antigua Calssic Week direkt im Falmouth Harbour zu ankern. Mitten drin und voll dabei. Und so war's dann auch. Wir liegen etwa 250 m vom Yachthafen und Yachtclub Antigua entfernt, direkt an der Fahrwassertonne, und lassen in den nächsten Tagen die tollsten alten Superyachten direkt an uns vorbeiziehen. Wenn sie zu einer der 4 Regatten auslaufen ist es wie beim Parade abnehmen. Am ersten Regattatag erklettern wir einen Hügel und könne dort direkt das Geschehen beobachten. Am dritten Tag ankern wir unser Dinghy am Ausgang der Bucht und finden nach einem Marsch durch das seichte Uferwasser an der Meerseite einen Superplatz auf dem Dach einer verlassenen Hütte. Beates Idee!

Abends ist dann schauen, schauen, schauen bei den Schönen und Reichen im Yachthafen angesagt. Wir können direkt auf die Stege zu den alten Schiffen. Wunderschöne, über 100 Jahre alte Holzschiffe, viele gaffelgetakelt, über 1500 qm Segelfläche. Die Messingbeschläge glänzen frisch poliert, das Holz bekommt noch schnell einen letzten Anstrich. Es gibt auch Preise für die schönste Yacht. Daneben neue Yachten im alten Kleid. Die Segelgarderobe HiTech. Alles vom Feinsten. Viele ganz bekannte Namen. Wir können uns nicht satt sehen. Und dann Menschen gucken. Bei einem Sundowner an der Bar gibt es einfach alles zu sehen. Sonnengerbräunte junge Wilde neben dem käse weisen 70 Jahre alten englischen Yachty. Familien mit vielen blonden Kindern aus Skandinavien und Regattaprofis, die auch nachts ihre Edelsonnenbrillen nicht von der Nase nehmen. Wir lernen Michael kennen, ein Profifotograph, der für europäische Yachtzeitungen arbeitet. Er lebt auf einem Katamaran, der neben uns liegt. Wenn wir abends im Cockpit sitzen und den Tag Revue passieren lassen wird alles noch einmal durchgehechelt. Schöne Tage bei der Calssic 2008.

Weiter geht's gegen Monatsende nach Barbuda. Auf der Überfahrt fangen wir zwei Baracudas, können jedoch nur einen mit etwa einem Meter tatsächlich einholen. Der andere reißt direkt am Schiff ab. Die ca. 2 Kilo Baracudafilet werden einmal gebraten und mit Salat, das andere mal als Fischcurry in Tomaten-Chilly-Sauce mit Reis serviert. Die Überfahrt nach Saint Barthelemy, das jetzt auch offiziell St Barts heißt, bringen wir unter Maschine hinter uns. Nicht einmal für unseren Gennaker, ein großes Ballon-Leichtwindsegel, reicht der Wind aus. Dafür sehen wir Delfine und Wale. Und als wir am Nachmittag in der Ans de Colommbier den Anker werfen werden wir mit glasklarem Wasser belohnet. 20 m Sichtweite. Wir können nachts im Mondlicht unter uns See- und über uns richtige Sterne sehen. Am Morgen springen wir nackt ins Meer und schnorcheln mit Meeresschildkröten. Die Turtles haben überhaupt keine Angst und lassen uns auf Armeslänge herankommen. Ich mache tolle Unterwasserfotos. Als wir nach Sint Maarten aufbrechen sind wir uns einig. Da segeln wir noch einmal hin.

Sint Maarten ist das Mega-Segel-Zentrum in der Nordkaribik. Hier soll es angeblich alles geben. Zollfrei! Diese Insel ist der Absprunghafen für viele Yachties, die wieder zurück nach Europa müssen. Auch die "Salina Due" und die "Jason" liegen deshalb hier und bereiten sich auf den Atlantik vor. Die Insel ist zweigeteilt. Die Südseite Holländisch, die Nordseite Französisch. Rund 35 Quadratmeilen groß. In der Mitte die 12 Quadratmeilen große Simpson Bay Lagoon, über zwei schmal Einfahrten mit dem Meer verbunden. Zwei Zugbrücken werden mehrmals täglich geöffnet und lassen die Yachten rein und raus. In der Lagune liegen etwa 500 Schiffe. Schon am ersten Tag können wir verhältnismäßig günstig eine neue Ankerkette kaufen. Die alte ist total verrostet, die Nuss der Ankerwinsch kann sie nicht mehr richtig fassen. Jetzt sind wir perfekt ausgestattet. 35 kg Kobra-Anker und 70 Meter 10 mm Kette. Da liegt es sich auch bei viel Wind und Welle sicher.

Abends genießen wir die moderaten Bierpreise an Land und lernen neue Segler kennen. Cora und Janek von der "Ampler", die schon einmal rum sind um diese Welt und ihre Reise mit Musik machen finanzieren und Yogi, der mit seiner venezuelanischen Frau Maria-Theresa seit vielen Jahren Charter fährt. Leider ist die Wasserqualität in der Lagune nicht so gut. Wir gehen hier nicht schwimmen und mit Wassermachen ist auch nichts und ab und zu wird die Idylle vom Fluglärm des nahe liegenden Flughafens gestört. Dafür viele Shops, Kneipen mit WI-FI und nette Seglerfreunde.

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Neu: berichte als pdf mit bildern!!
 
 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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