Ganz offensichtlich war das Gespräch zwischen Beate und der Wetterhexe nicht besonders erfolgreich. Wir haben viel Nord-Ost-Wind und vor allem eine Vorhersage von über 4 m Welle für die nächsten Tage. So verbringen wir die ersten Tage in den Saintes mit Einklarieren, Einkaufen und Schnorcheln an der Südseite der Bucht. Beate entdeckt einen großen Octopus, der neugierig unsere Annäherungsversuche beobachtet und dabei je nach Untergrund seine Farbe wechselt. Faszinierend, wie ein Chamäleon.
Gegen Abend wird es eng in der Bucht. Eine große Yacht aus Barbados quetscht sich zwischen uns und das Land. Das kann eng werden. Dann dreht gegen 20:00 der Wind auf Nord und wir liegen nur noch einen Meter vom Bug dieses Schiffes entfernt. Der Wind frischt auf und die ersten Regenschauer jagen durchs Wasser. Wir fordern den Typen auf der Nachbaryacht vergeblich auf zu verlegen, offensichtlich getraut er sich aber nicht bei diesem Wetter umzuankern und erklärt uns, er hätte mit dem minimalen Abstand keine Probleme. Da der klügere bekanntlich nachgibt entscheiden wir uns trotz des stürmischen Regens, unser Schiff zu verlegen. Beate schaltet im Dunkeln versehentlich den Autopiloten ein, unsere Ruderanlage ist dadurch blockiert und das Ankeraufmanöver wird ziemlich hektisch. Nach 20 Minuten liegen wir fluchend aber sicher wieder vor Anker. Wir verlegen am nächsten Tag, frühmorgens vor die Südseite der Insel Il Cabrid. Gerade noch rechtzeitig, im Minutentakt versuchen andere Yachten auch einen Ankerplatz in der geschützten Südlage zu bekommen. Über die Insel pfeifen heftige Fallböen hinter uns ins Meer und die Ankerversuche der anderen Yachties sind in den nächsten Tagen teilweise wie Kino.
Am 5.2. gehen wir Anker auf um an der Leeseite von Guadeloupe nach Deshais am Nordende der Insel zu segeln. Noch immer gibt es über 35 kn Wind und eine hohe Welle steht zwischen den Inseln. Wir reffen ziemlich stark, trotzdem segelt uns Beate mit mehr als 7 kn um die Südwestespitze von Guadeloupe. Kurz bevor wir ankommen bemerken wir einen Riss oder eine offene Naht im Top des Großsegels und motoren sicherheitshalber die letzten Meilen. Noch in der Nacht holen wir den Riesenlappen vor Anker liegend herunter. Zum Glück nur eine offene Naht. Wir nähen unter Taschenlampenlicht das Tuch, und setzen es in derselben Nacht wieder, weil die leere Aufrollvorrichtung im Mast im Schwell einen Höllenlärm macht.
Die 42 sm bis Antigua unserem nächsten Ziel, bringen wir bei starkem Wind zwischen 25 und 33 kn hinter uns. Die Welle ist teilweise über 4 m hoch. Gut, dass wir Ostwind mit wenig Nordtendenz haben und sehr schnell unterwegs sind. Wir ankern in Englisch Harbuor in unmittelbarer Nähe der Megayachten mit Heckleine. Abends feiern wir mit unseren holländischen Freunden von der "Netjer", die ebenfalls hier liegen, Sylvias Geburtstag.
Die nächsten Tage verbringen wir mit faulenzen, Superyachten gucken, laufen in die Nachbarbucht nach Falmouth Harbour und besuchen dort den berühmten Antigua Yachtclub. Am Ankerplatz bringen wir, weil wir slipen, einen Zweitanker aus. Der Wind ist sehr böig und der Bodengrund in der Bucht offensichtlich aus Schiet. Zum baden fahren wir mit Sylvia und Jeroen mit dem Dingi ans Riff am Eingang der Bucht. Die Wasserqualität an unserem Ankerplatz lädt nicht zum rumplanschen ein. Für Beate kaufen wir von einer Einheimischen ein Armband, das sie aus ganz kleinen Kernen von Früchten oder Gemüse herstellt. Sieht toll aus. (Beate und das Armband).
Am letzten Abend in dieser Bucht klettern wir auf Shirleys Hight und es gibt zur Belohnung für die mühselige Kletterei zwischen Sukulenten und dornigem Gestrüpp einen traumhaften Ausblick über die Insel und nach dem spektakulären Sonnenuntergang ein Picknick mit Sekt und vielen guten Sachen. Insgesamt finde ich Englisch Harbour, immerhin eines der berühmtesten Segelzentren der Welt, doch etwas enttäuschend. Wir verlegen deshalb. Nach einem schönen Törn unter Genua, an der Südseite der Insel fahren wir zwischen dem Aussenriff und dem Land auf ganz flachem Wasser, ankern wir in eine Bucht an der Nordseite von Antigua vor Jolly Harbour auf nur 2 m Wassertiefe bei 2 m Tiefgang. Wir messen an nächsten Tag nach und stellen fest dass unser Lot etwa 50 cm zu wenig anzeigt. Offensichtlich wollten unser Verchartetre in Italien auf Nummer sicher gehen.
Unser Dingi verliert Luft, an einem Steg war wohl ein Nagelende im Weg und ich repariere hier den gut zu findenden Schaden. In der Woche Liegezeit verbringen wir viel Zeit mit der Crew der "Afrika" und der "Netjer". Jeroen vermittelt uns eine sehr günstige holländische Versicherung für die "Genesis", wie sparen mehrere tausend Euro im Jahr. Unseren alten Vertrag hatten wir gekündigt weil die Versicherungsbedingungen insbesondere bei Sturm und Hurrikanschäden sehr schlecht und die Kosten enorm hoch waren. Dafür gibt's an die Holländer eine Einladung zu einem tollen Essen in der Marina. Einen weiteren, kleinen, Teil des eingesparten Geldes geben wir für eine Wettersoftware aus, die Meno Schrader, ein bekannter Wetterexperte aus der BRD entwickelt hat. Ob allerdings dadurch das Wetter besser wird? Wir haben noch immer viel zuviel Wind und Welle für diese Jahreszeit. Beate näht aus unserem alten Vorsegel einen Regenschutz für das Cockpit. So können wir auch bei starkem Regen ohne nass zu werden im Cockpit bleiben, unserem beliebtesten
Aufenthaltsort. Mit Ausnahme vom Schlafen und für diverse Arbeiten, sind wir in den letzten Monaten nie unter Deck gewesen. Draußen ist es einfach schöner. In der letzten Februarwoche geht's weiter in Lee der Insel in die Deep Bay.
Von hier aus wollen wir weiter nach Barbuda. Die letzten Tage in Antigua verbringen wir am Strand und beim Schnorcheln. In der Einfahrt liegt ein etwa 150 Jahre altes Wrack auf 6 m Tiefe. Wir besichtigen es intensiv mit Flossen und Taucherbrille. Dann geht's am 26.2. frühmorgens bei tollem Wind und ohne Regen nach Barbuda. Nach einem geilen Segeltag liegen wir nach nur 4 Stunden vor einer karibischen Traumkulisse auf 4 m Wassertiefe vor Anker. Und was für Wasser. In allen Blau- und Türkis-Tönen. Ein kilometerlanger mehlfeiner Sandstrand mit ganz leichten Rottönen vor der kleinen flachen Insel mit Palmen und Mangroven. Die höchste Erhebung ist 90 Fuß hoch, etwa 30 Meter, die Barbuda Hills, wie wir der Karte entnehmen können. Wie im Bilderbuch. Kein Dorf zu sehen, der einzige Ort liegt hinter einer großen Lagune, rechts ein Hotel, schön in diese Landschaft integriert. Ganz wenig Schiffe. Voll kitschig und einfach geil.
Wir faulenzen viel, Spaziergänge am Strand, Schnorcheln am Riff. Beate kocht was Tolles. Ein paar kleine Reparaturen. Wir haben durch das schützende Riff wenig Schwell obwohl es auch Ende Februar wie in diesem ganzen Jahr für die Karibik viel zuviel Wind und Welle hat.
Was soll's, unser Anker hält, hier bleiben wir länger!
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