33 November / dezember 2007
 

Am 19.11. 2006 stehen wir nach langwierigem Einklarieren mit 70 kg Gepäck am Flughafen von Porlamar und suchen uns ein Taxi zur Marina del Caribe. Die GENESIS wartet. Die erste Überraschung, unsere Yacht ist verlegt, die externe Klimaanlage abgebaut. Die Besitzerin der Marina meinte es gut mit uns und hat sie entfernen lassen. Macht nichts, so haben wir 350 $US gespart. Wir schleppen unser Megagepäck zum und aufs Schiff. Die Bootyardjungs helfen uns. Alles ist trocken, das Schiff in gutem Zustand, wir fallen total kaputt aber zufrieden in die Koje.

Am nächsten Morgen beginnen wir mit dem Schiffsputz. Überall hat sich feiner roter Sand festgesetzt. Gut dass wir die Winschen, die Schoten und die Selbststeueranlage in Folie verpackt hatten. Dann die negative Überraschung, Beates Reisepass ist weg, sie hat in am Flughafen zuletzt benutzt. Beate ist sich sicher, ihn dort eingepackt zu haben und stellt das ganze Schiff auf den Kopf. Nichts! Die Auskunft der Policia am Flughafen ist auch negativ.

Wir legen die GENESIS ins Wasser, nachdem ich die Schraube von einem zentimeterdicken Muschelbelag befreit habe und verlegen nach Porlamar. Dort treffen wir die Black Pearl mit Sabine und Hans und viele anderen Segler wieder die in den Startlöchern Richtung Nord stehen. Ray und Steffen mit der Moonyflower, die wir aus Freiburg kennen, liegen auch hier.

Es rollt heftig in der Bucht, Beate wird vor Anker liegend fast seekrank. Wir machen wegen eines neuen Reisepasses für Beate mit Hilfe von Juan einen Gesprächstermin mit dem deutschen Honorarkonsul aus. Er hält im Hiltonhotel einmal in der Woche Hof. Alle Segler erzählen uns, dass es mehrere Wochen dauern kann, einen neuen Reisepass zu bekommen. Schöne Aussichten. Dann der Hammer. Eine Viertelstunde bevor wir uns zum Konsul auf den Weg machen findet Beate ihren Reisepass in ihrer homeopatischen Reiseapotheke. Ist ja auch der richtige Platz für einen Pass, oder? Die Freude war jedenfalls riesig!

In einer heftigen Böe reisst am nächsten Tag unser Sonnensegel aus. Wir bringen es zum Segelmacher, der es verstärkt. Abends gibt es viel Bier in der Rumbar. Dann gehen wir Lebensmittel bunkern. Sehr, sehr preiswert! Beate kocht Gulasch und Hackfleisch ein. "Leider" gibt es vor Ort nicht die richtigen Einmachgläser, mit den Black Pearls essen wir deshalb einen Teil des leckeren Gulasches gleich auf.

Mit den beiden fahren wir auch am letzten Novembertag los Richtung Trinidad. Die erste Übernachtung in der Calle Medina benutzen wir um gemeinsam an Land zu schwimmen und das erste Mal auf unserer Reise eine Fuß auf das Südamerikanische Festland zu setzen. Nach Europa, Afrika und Mittelamerika jetzt Südamerika. Fühlt sich gut an, was wir gemeinsam so machen.

Nach einer ruhigen Ankernacht geht's weiter Richtung Trinidad. Unser Ziel ist eine Bucht eine Tagesreise Richtung Ost. Die österreichischen Freunde segeln am 1.12.2007 etwa 400 m vor uns als wir gegen 13:00, also mitten am Tag, von 5 bewaffneten Männern in einem großen Fischerboot überfallen werden. Alles geht dank einer harten Rechten und der Hilfe von Sabine und Hans, die ganz schnell umkehren, gut aus (siehe Trans Ocean Bericht im Anhang).

Wir hatten nach der Attacke erstmal genug von Venezuela und sind direkt nach Trinidad durchgesegelt. Versöhnlicher Abschluss: Beate streichelt Delfine die uns die letzten Meter in die Scotland Bay begleiten. Gutes Timing nach so einem Scheißtag!! Und das Essen, zu dem uns Hans und Sabine einladen ist ebenfalls vom feinsten (Rinderfilet in Pfeffersauce mit Kartoffelgratin und dazu Champagner).

Am Montag geht's nach einem Wochenende mit Flughunden, die nachts in die GENESIS kommen um unsere dort versteckten Bananen zu fressen, Beates selbstgebackenem Brot und selbst gemachtem Yoghurt weiter nach Chaguaramas. Dort treffen wir nach mehr als einem Jahr Sylvia und Jeroen von der Netjer wieder. Wir freuen uns alle riesig, und es gibt abends viel zu erzählen.

In den nächsten Tagen lassen wir uns in die Sprayhood eine Fenster mit Reisverschluss einbauen, so könne wir genügend Durchzug herstellen, lassen die Schrauben der Hochdruckpumpe unseres Wassermachers, die sich immer wieder lösen, neu einkleben und ich bauen einen neuen Einfüllstutzen für die Dieseltank ein, nachdem sich der alte Stutzen festgefressen hat. Wir hatten trotzdem getankt und leider viel Diesel in der Bilge. Viel saubermachen!

Mit Sabine und Hans gehen wir in Port of Spain in den Baumärkten und Textilläden shoppen. Dazwischen versuchen wir immer wieder eine Signalpistole oder eine normale Knarre zu kaufen. Wie im Kino. Verhandlungen mit Typen, die angeblich alles besorgen können, nach Sonnenuntergang in abgelegenen Winkeln. Leider erfolglos.

Dazwischen wieder Überfälle der besonderen Art. Ein Wespenvolk will sich auf unserer Genesis niederlassen und bildet am Heck eine große brummende Traube, in der Scotland Bay kommen nachts die Delfine und ziehen laut lärmend durch die Bucht. Hört sich wie Gruppensex an!!

Am 18.12. gehen wir Anker auf Richtung Grenada. Der Wetterbericht ist gut, wir planen eine schöne, Nachtfahrt. Wie so oft kommt alles ganz anders als man denkt. Wir erwischen eine Gewitterfront, die uns die ganze Nacht Sturm, mehr als 4m Welle und 16 Stunden lang starken Regen bringt. Wir segeln stark gerefft bei 35 Knoten (8 Windstärken) Wind so hoch wie es eben geht, in den Böen geht es an die 40 Knoten, und überlegen uns ernsthaft, die Taucherbrillen anzuziehen, so knallen uns schmerzhaft die Regentropfen in die Augen. Immer wieder haben wir Wasser im Cockpit, ein Brecher erwischt Beate am Steuer voll, das Salzwasser läuft ihr vorn in die Latzhose und kann, weil sie an den Knöcheln die Hose ganz eng hat, nicht mehr so schnell herauslaufen. In der prallgefüllten Hose sieht sie aus wie das Michelinmännchen.

Unter Deck wollen wir bei den Wellen auch nicht, es wird eine nasse Nacht. Gut dass das Salzwasser ziemlich warm ist. Gegen zwei Uhr morgens rutsche ich während einer Böe aus und breche mit die linke große Zehe. Bei den Schmerzen werde ich wenigstens nicht müde. So ein Scheiß!

Nach 17 Stunden sind wir endlich in der Abdeckung von Grenada. Wir verzichten aufs einklarieren und schlafen fast den ganzen Tag, so kaputt sind wir. Ein heftiger, grenzwertiger Trip. Von Grenada geht's am nächsten Tag dann in 10 Stunden nach Mayreau. Bilderbuchsegeln. 20 bis 25 Knoten Wind und 2,5m Welle. Geht doch! Auch der nächste Tag "Schockisegeln", wie unsere Schweizer Freunde sagen. In 6 Stunden sind wir in Bequia.

Dort verbringen wir Weihnachten mit Sylvia und Jeroen. Tolles Essen auf der Genesis. Beate backt eine karibische Linzertorte (Haferflocken statt Haselnüssen und Guavemarmelade statt Himbeere). Unsere holländischen Freunde haben sogar einen kleinen Weihnachtsbaum mitgebracht. Mini-Betlehemterror in der Karibik.

hier treffen wir Jan und Beate von der Jason und Marina und Klaus von der Yellowman wieder, die wir von unserer früheren Reise kennen. Tolle Gespräche, gemeinsam essen, telefonieren mit der Familie und den Freunden in der BRD. Die Arbeit kommt auch nicht zu kurz. Die Nähmaschine läuft heiß. Wir nähen zwei Gittersonnenseitenteile und neue rote Kissen fürs Cockpit.

Dann geht's über die Rodney Bay weiter in einem heißen Ritt mit viel Welle nach Le Marin auf Martinique. Kurz vor unserer Ankunft ruft Beate: "Wale, Wale!" Ich suche den Horizont ab, Beate deutet wie wild direkt neben das Schiff. Keine 5 m entfernt schwimmen zwei riesige Wale neben uns. Nicht auszudenken wenn die nicht "aufpassen"! Vor allem, wenn die Sicht wie bei unserer Einfahrt wegen heftiger Regenfälle gleich Null ist.

In Le Marin liegen wir mit sicher 100 anderen Yachten bis ins neue Jahr. Silvester wird mit den Freunden von der Netjer und Black Pearl in einer Hafenkneipe gefeiert, wo ich mit meiner Traumfrau in das neue Jahr tanze. Die Party wird bis in die frühen Morgenstunden auf unserer Genesis verlegt. In Gedanken gehen um Mitternacht viele gute Wünsche an unsere Familien und Freunde über den großen Teich.

Ein schöner Abschluss unseres ersten ereignisreichen Jahres auf der Genesis und ein guter Start ins nächste.

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