Die Entscheidung, die Abfahrt nach Trinidad um 2 Tage zu verschieben erweist sich als gut. Ein Ost/Nordost mit 3 - 4 Beaufort beschert uns einen entspannten Nachtschlag. Die Welle von Backbord ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig aber unspektakulär. Für zwei Stunden übernehme ich das Ruder, dann stellen wir Johan ein (ihr wisst noch, die Windselbst-steueranlage). Der macht seinen Job wie immer ausgezeichnet. Die 9 Stunden von 17:40 Uhr bis 8:40 Uhr verbringen wir mit Wachen und Dämmerschlaf. Erinnerungen an die Atlantiküber-querung werden wach.
Wir legen um 8:40 Uhr direkt am Steg der Einklarierungsbehörde in der Bucht von Chaguaramas an. Völlig übermüdet stehen wir vor den Beamten, die uns fragen wo wir herkommen. Mein Kopf ist völlig leer und die beiden Beamten schauen sich ungläubig an, während ich verzweifelt versuche mich an den Namen des Ortes zu erinnern, an dem wir vor 9 Stunden gestartet sind. Das Gelächter ist groß als ich endlich Grenada und Prickley Bay herausbringe und erkläre, dass ich sehr müde bin, dass wir gerade vor wenigen Minuten am Steg festgemacht hätten. Dafür erhalten wir ein verschärftes Lob.
Wir suchen uns einen Ankerplatz in der gut besuchten Bucht und betrachten die Umgebung. Die Küste ist mit mehreren Boatyards, Marinas und Werften zugebaut und entsprechend dreckig ist das Wasser. Ölpfützen und Müll schwimmen an der Wasseroberfläche und Geräuschkulisse und Schwell sind ziemlich lästig. Dafür sind die Infrastrukturen an Land gigantisch, wie wir bei einer Kurzführung die Gabi und Hans von der September mit uns machen, feststellen können. Die beiden liegen seit zwei Wochen hier an Land um die alljährlichen Schiffs-Reparaturen zu machen. Nach einem kleinen Imbiss hauen wir uns in die Kojen und holen den fehlenden Schlaf nach.
Tags darauf suchen wir die, von Ferropilot empfohlenen, Wassermacherspezialisten auf und schildern unser Problem. Wir bauen den Wassermacher aus, damit sie ihn vor Ort checken können. Wolfgang interessiert sich gleichzeitig für das System, das ECHOTEC vertreibt und das er bereits auf der Perle von Karl und Elisabeth bewundert hat. Es handelt sich dabei um einen Wassermacher, der nicht wie unser System durch Energierückgewinnung besonders Strom sparend ist, sondern um eine solide, einfache Hochdruckanlage, deren Komponenten vielfach in Industrieanlagen verwendete werden. Eine Variante der Anlage ermöglicht es, dass die Hochdruckpumpe direkt vom Dieselmotor des Schiffes angetrieben wird, so dass die Energiefrage keine so große Rolle mehr spielt. Heißt im Klartext: Wenn der Motor läuft, kann Wasser gemacht werden und zwar 70 - 80 Liter in der Stunde.
Das hört sich theoretisch super an, kostet ungefähr so viel wie unser alter Wassermacher und würde meinem Skipper sehr gefallen. Zunächst wird jedoch der alte Wassermacher untersucht.
Das Ergebnis lautet: "Membrane kaputt". Das darf ja nicht war sein, die haben wir doch erst im April für 600 $US erneuert. Wolfgang lässt prüfen, ob auf der GENESIS die direkt betriebene ECHOTEC Anlage realisierbar ist. Das O.K. des Technikers beschleunigt die Entscheidung für einen neuen Wassermacher. Dies wiederum hat eine Menge anderer Entscheidungen zur Folge. Wir wollen die Sache diesmal richtig angehen. Das bedeutet, neue Borddurchlässe für Zu- und Abwasser und dass das Schiff aus dem Wasser muss. Die Anlage wird in Wolfgangs Werkstatt eingebaut, also müssen alle Leitungen neu verlegt werden. Wenn wir die GENESIS aus dem Wasser nehmen müssen, ist es sinnvoll, all die Arbeiten am Unterwasserschiff, die wir eigentlich in Venezuela machen wollten gleich hier in Trinidad zu machen. Plötzlich stehen wir vor einem großen Arbeitseinsatz, dabei wollten wir uns doch eigentlich nur die Insel anschauen und nebenbei den Wassermacher reparieren lassen.
Hans und Gabi sind inzwischen nach Österreich geflogen. Dafür segeln Herwig und Veronika mit der Alchemist eines Nachmittags in die Bucht und weil sie hier mehrere Tage auf ein Ersatzteil warten müssen, haben wir Zeit ein paar schöne Stunden miteinander zu verbringen. Herwig ist schon mehrere Jahre mit seinem Schiff unterwegs und die beiden "Jungs" fachsimpeln ausgiebig über Wassermacher und sonstige Schiffstechnik. Veronika ist "Frischling" wie ich. Wir tauschen Erfahrungen aus und stellen fest, dass wir vieles gleich erleben und empfinden und das Heimweh und Abschiede unser Traumleben gelegentlich trüben. Wir machen Landausflüge, beobachten Wasserschildkröten bei der Eiablage und sind Augenzeugen, als 6 kleine, frisch geschlüpfte Schildkrötenbabys den Weg in den großen weiten Ozean finden. Wie im richtigen Leben geht es da zu. Es gibt den Kämpfer, der alles rechts und links liegen lässt, den schnellsten und geradesten Weg zum Wasser findet und lange vor allen anderen in den Fluten davon schwimmt. Aber auch den Nachzügler, der kaum voran kommt und alle Sandlöcher, Hügel und Steine am Strand findet die er überqueren muss, bis er endlich das Wasser erreicht.
Dort verbringen sie ca. 20 Jahre, ehe die weiblichen Exemplare zwischen März und September zur Eiablage an einen der Strände Trinidads zurückkehren. Die riesigen Tiere können zwischen 260 - und 500 kg schwer werden und erreichen eine Größe zwischen 135 und 175 cm. Es ist beeindruckend, wie sie langsam und beschwerlich den Sandstrand erklimmen. Wenn sie die richtige Stelle gefunden haben graben sie ein ca. 1 Meter tiefes Loch mit ihren Hinterbeinen (dazu benötigen sie ca. 45 Minuten), in das sie dann ungefähr 80 - 100 weiche weiße Eier legen. Einige der Eier sind nicht befruchtet und dienen als Nahrung für die geschlüpften Schildkröten. Nach 50 bis 70 Tagen schlüpfen die jungen Schildkröten, arbeiten sich an die Oberfläche und wenn nachts der Sand abkühlt versuchen sie im Schutz der Dunkelheit den Ozean zu erreichen. Nicht viele schaffen es bis dahin und auch in den Fluten lauern noch Gefahren. Die Tiere legen pro Saison ca. 5 - 7-mal in einem Abstand von 10 Tagen ihre Eier, dies allerdings nur alle 3 bis 5 Jahre. Kein Wunder also, dass die Ledernackenschildkröten vom Aussterben bedroht sind.
Die Kulisse bei Vollmond am von weißen, Palmen gesäumten Sandstrand verstärkt den tiefen Eindruck des Erlebnisses und wir sind uns einig, dass die beschwerliche An- und Rückfahrt von mehr als 5 Stunden, in dem Kleinbus von Jesse James sich gelohnt haben. Jesse ist ein tüchtiger Tourguide und wir haben auf der Hinfahrt sehr viel über Trinidad erfahren.
Nachdem geklärt ist, wo und wann wir die GENESIS an Land bringen, erholen wir uns in der nahe gelegenen Scotland Bay, einer fjordartig eingeschnittenen Bucht, die für ihre Vögel und Brüllaffen berühmt ist. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch einen riesigen Schwarm großer, gelber Schmetterlinge, der die Bucht durchquert. In so großer Zahl haben wir die Tiere nur ein bis zwei Tage lang gesehen, dann nur noch vereinzelt. Wir gehen davon aus, dass die Schmetterlinge an diesem Tag frisch geschlüpft sind und wir den ersten Ausflug miterlebt haben. Im Gegensatz zu der völlig lauten, dreckigen und schaukeligen Bucht vor Chaguaramas ist die Scotland Bay paradiesisch. Leider werden die Strände an Wochenenden, Feiertagen oder zur Ferienzeit von den Einheimischen für Grill- und Campingausflüge genutzt, was an sich nicht wirklich schlimm wäre, wäre da nicht die musikalische und tatsächliche Umweltverschmutzung, die diese Feste mit sich bringen. Trotzdem genießen wir die Tage, vor dem Arbeitseinsatz. Fahren mit Jesse, Herwig und Veronika noch in den Regenwald zu einer Vogelbeobachtungs-station und in die Caroni Sümpfe um "Scarlet Ibis" (rote Vögel) zu beobachten. Wir tun uns etwas schwer mit den Besichtigungen, da es die meiste Zeit in strömen regnet (- bei der Regenwaldtour werden wir so nass, dass Wolfgangs Taucheruhr ihren Modus auf "Tauchen" umstellt und eine Wassertiefe von 0,1 m anzeigt -). Außerdem sind wir am Abend zuvor bei einem Sundowner auf der Alchemist mit Hans und Sabine von der Black Pearl versumpft und deshalb haben alle vier ein erhebliches Schlafdefizit. Spaß haben wir aber allemal.
GENESIS an Land 06.07. - 18.07.07
Unser Auskrantermin ist am 06.07.07 9:00 Uhr morgens. Um 8:20 Uhr hängt die GENESIS schon in den Gurten des Krans, eine Stunde später steht sie auf neun Stützen und dem Kiel im Boatyard von Peeks mit Stromanschluss und Leiter, um an Deck zu klettern. Für die nächsten 7 Tage leben wir nun in schwindelnder Höhe ca. 3 Meter über dem Boden. Ein komisches Gefühl. Auch die GENESIS sagt mir immer wieder, dass sie sich hier eigentlich nicht sehr wohl fühlt und ich kann sie nur damit trösten, dass sie eine Wohlfühl- und Schönheitsbehandlung bekommt, so lange sie hier an Land liegt ;-))
Jetzt kann's losgehen.
Wir besorgen Material um das Antifouling am Unterwasserschiff zu erneuern. Das ist eine spezielle Farbe, die am Schiffsrumpf unterhalb der Wasserlinie angebracht wird und verhindern soll, dass das Unterwasserschiff mit Muscheln und Algen zuwächst. Zunächst muss die alte Farbe angeschliffen werden, dann wird ein Primer aufgebracht und danach das gesamte Unterwasserschiff zwei- bis dreimal gestrichen. Eine Höllenarbeit bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit. Aber das Wetter hat erbarmen mit uns und beschert uns zwischen Schleifen und Primer einen Ruhetag, so dass wir unsere geschundenen Knochen erholen können. Leider plagen uns dabei die Moskitos, die es hier in Massen gibt. Das an den Türen zur Schlafkoje angebrachte Moskitonetz sorgt dafür, dass wir wenigstens nachts unsere Ruhe haben.
Wir schaffen unser Arbeitspensum nicht ganz in den sieben Tagen und verlängern unseren Aufenthalt an Land um weitere 5 Tage. In dieser Zeit werden der alte Wassermacher de- und der neue montiert. Wolfgang macht alles selbst, bis auf die Vorrichtung, mit der die Hochdruckpumpe am Motorblock angeflanscht wird. Das Unterwasserschiff bekommt seinen neuen Anstrich, die Ankerkette wird umgedreht und neu gekennzeichnet, eine neue Ankerrolle wird eingebaut, das Dinghy wird geputzt und mit Antirutschstreifen versehen, Werkstatt und Küche werden neu eingeräumt, Staulisten korrigiert, Bilgen gesäubert, Schlafkajüte ausgeräumt, entschimmelt und der Inhalt des Kleiderschrankes komplett durch die Waschmaschine und den Trockner von Peeks gejagt. Die Klimaanlage, die wir uns gegönnt haben, hat nicht nur den Vorteil, dass das Arbeiten in gekühlten Räumen angenehmer ist, sondern das Schiff auch austrocknen kann und wir hoffen somit den Stockflecken in der Schlafkajüte und in den Kleiderschränken zu Leibe rücken zu können. Wir lassen uns ein Gitter für den Niedergang anfertigen, so dass wir uns "einschließen" können und trotzdem Luft ins Schiff kommt und zu guter Letzt kriegt die GENESIS die versprochene Wohlfühlbehandlung. Raoul, ein Rastaman, bekommt den Auftrag den Rumpf zu putzen und zu polieren.
Am 18.07.07 steht sie strahlend und blitz blank da und freut sich mit uns, dass es nun endlich wieder ins Wasser geht. Um 14:50 Uhr schwimmt sie wieder und wer hätte das gedacht: "Die neuen Borddurchlässe sind dicht!!
Wassermachertest und faulenzen 19.07. - 03.08.07
er Wassermacher wird endgültig erst am Tag darauf fertig montiert und am 19.07.07 um 15:50 Uhr produzieren wir das erste Wasser - Alles dicht, alles funktioniert. Wir produzieren ca. 80 Liter in der Stunde und es schmeckt super, obwohl das Ausgangsprodukt in der Bucht vor Chaguarams das nicht vermuten lässt. Jetzt heißt es schnell einkaufen und ab in die Scotland Bay, ausruhen und Wassermacher testen. Diese Aussichten sind traumhaft. Endlich mal ganz viel Wasser verbrauchen dürfen. Wir wollen ganz sicher sein, dass das Teil funktioniert, bevor wir nach Venezuela weitersegeln. Wir halten es noch weitere 15 Tage in Trinidad aus. Zwei kleinere Probleme am Wassermacher müssen noch behoben werden, die Geschichte mit der alten Anlage müssen wir noch regeln. Wir pendeln zwischen Chaguaramas und Scotland Bay hin und her und intensivieren den Kontakt zu Hans und Sabine, die es uns gleich tun. Die beiden haben noch eine Menge zu tun an ihrer Black Pearl und immer wenn sie sich mit neuem Arbeitsmaterial versorgt haben, kommen sie wieder in die Scotland Bay um ihre Hausaufgaben zu erledigen. Schon wieder neue Freunde gefunden. Einer der schönsten Nebeneffekte einer Weltumsegelung.
Am 3. August ist es dann endlich soweit. Der Wassermacher ist dicht. Alles ist erledigt und ein bisschen Zeitdruck haben wir jetzt doch. Wir müssen unseren geplanten Deutschlandaufenthalt von Oktober bis Mitte November wegen eines Schlaganfalls von Wolfgangs Mutter vorziehen und es wird Zeit, dass wir nach Venezuela kommen. Unser nächstes Ziel sind die Los Testigos, die auf dem Weg dahin liegen. Hans und Sabine stehen winkend an Deck der "weißen" Black Pearl und wir fahren wieder einmal einem traumhaften Sonnenuntergang entgegen! |