29 Grenada 11.06. - 23.06.07 |
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| Die Überfahrt verläuft wie von Karl vorhergesagt. Bis zur Insel ein schöner Halbwindkurs,
entlang der Insel schwache drehende Winde, kurz vor der Bucht heftige Fallböen. Unterwegs überqueren
wir einen Unterwasservulkan, der angeblich noch aktiv sein soll. hoffentlich schmilzt unser "Joghurtbecher" nicht davon ;-)) Der Anker hält erst nach 31 Seemeilen, 5 ½ Stunden und 4 vergeblichen Ankermanövern. Mein Skipper ist vom vielen Ankerauf, dreckig, kaputt und leicht genervt. Das Wasser in der Lagune ist total schmuddelig, so dass ein erholsames und reinigendes "in den Teich hüpfen" leider ausfallen muss. Wie so oft nach einem Segeltag sind wir faul und erkunden die nähere Umgebung erst am nächsten Tag. Wir kaufen von Roy selbst genähte Flaggen von Trinidad und Venezuela und sogar einen Ersatz für unseren reichlich mitgenommenen Trans Ocean Stander. Wir sind viel zu Fuß unterwegs, besuchen den großen Obst-, Gemüse- und Fischmarkt und besichtigen die Hauptstadt St. George's, die 2004 vom Hurrikan Ivan ziemlich zerstört wurde. Wie bereits berichtet, beginnt die Hurrikansaison offiziell am 1. Juni und endet am 30. November. In Grenada, das ja nun zwei Jahre hintereinander Von einem Hurrikan betroffen war, liegt im Schiffszubehörladen bereits Informationsmaterial aus. Beim Lesen der mehrseitigen broschüre "Wie bereite ich mich auf einen Hurrikan vor" wird mir dann doch ein bisschen mulmig und wir beschließen ab sofort täglich den Wetterbericht zu hören und wenn möglich im Internet die Hurrikanwarnungen der National Oceanic and Athmospheric Administration (NOAA) zu verfolgen, das bedeutet morgens um 8:00Uhr Kanal 68 einschalten und die Funkrunde der Segler abhören. Dort wird der lokale und überregionale Wetterbericht gesendet. Sprache: Englisch, Geschwindigkeit: viel zu schnell. Es ist mir nicht möglich irgendeine brauchbare Wetterinformation aus dem stakato ähnlichen Schwall englischer Wörter heraus zu hören. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, hat Wolfgang die Idee, den Wetterbericht auf unser Diktiergerät auf zu nehmen und nach vielfachem Abhören, Rückspulen, Abhören haben wir endlich eine brauchbare Wetterinformation. Im Yachtclub der Lagune gibt es freies WLAN und wir finden die Wetterseite im Internet, aus der der Wettermann morgens in der Funkrunde den Wetterbericht abliest - jetzt ist alles ganz einfach. Eine der wichtigsten Informationen, die wir nun täglich erhalten ist: "In den nächsten 24 Stunden ist kein Hurrikan zu erwarten! Das ist sehr beruhigend, trotzdem nehmen wir uns vor nicht mehr all zu lange hier zu bleiben und uns bald auf den Weg nach Trinidad zu machen. Wir treffen Karl, Elisabeth und Tasso von der Perle wieder und lernen H.J. und Ute von der Taimada kennen. Beide Paare haben einen Katamaran, auf dem sie regelmäßig Chartergäste mitnehmen und sich so ihr "Seglerleben" finanzieren. Wir verbringen einen netten Abend und hören fasziniert den Schilderungen von H.J. und Ute zu, die von ihrer Tour im Orinokodelta und von Venezuela schwärmen. Noch ein Ort mehr, den man unbedingt besegeln und erkunden müsste - ob wir es jemals schaffen werden, die Welt zu umsegeln? Wir nutzen die Zeit und nähen uns ein kleines Wasserauffangsegel fürs Vorschiff. Fleißig wird gemessen und ausprobiert und so wird aus unserem Ikea-Sonnensegel ein passendes Wasserauffangsegel. Es passt perfekt, doch beim ersten großen Regen stellen wir fest, dass es leider nicht Wasserdicht ist - Schade - die ganze Arbeit um sonst. bevor wir weiterziehen versorgen wir uns auf Anraten von Elisabeth mit verschiedenen, wirksamen Schädlingsbekämpfungsmitteln gegen Moskitos, Kakerlaken und Ratten. Nicht dass wir welche hätten, aber man kann nie wissen. Es wird behauptet, dass jedes Schiff, das in der Karibik unterwegs ist, früher oder später von Kakerlaken heimgesucht wird. Mit Lebensmitteln, Verpackungen und evtl. über Kakerlakeneier, die an den Schuhsohlen haften, werden die niedlichen Tierchen eingeschleppt. In dem warmen, feuchten Klima vermehren die sich rasant. Es heißt: "Wenn du eine siehst hast du tausend!" Bis jetzt habe ich eine einzige beim Kauf eines Salats eingeschleppt und sofort getötet. Seither haben wir keine mehr gesehen. Trotzdem ist es beruhigend, für den Ernstfall gewappnet zu sein. Mit Moskitos hatten wir bis jetzt auch keine all zu großen Probleme. Während an Land die Stechmückenplage weit verbreitet ist, werden wir draußen, in der Bucht vor Anker liegend kaum behelligt und auch Ratten waren bis jetzt kein Thema, da wir seit den Kanarischen Inseln in keinen Hafen mehr angelaufen haben. In Vorbereitung auf unseren Aufenthalt in Venezuela folgen wir auch dem Tipp von Hans und Gabi und kopieren Ausweise und Schiffspapiere, damit wir die Originale sicher an Bord der GENESIS verstauen können. Bei der Gelegenheit suchen wir panisch unseren Bootsschein, der sich nicht wie alle anderen Papiere in unserer Dokumentenmappe befindet. Der erste entsetzliche Gedanke: "Der liegt noch bei der Einklarierungsbehörde in Carriacou, 31 Seemeilen und 5 ½ Segelstunden weiter nördlich! So ein Mist!" Jetzt aber erst mal tief durchatmen und gründlich nachdenken. Das kann doch gar nicht war sein. Und nachdenken hilft wirklich. Es fällt uns ein, dass wir den Bootsschein zuletzt beim zollfreien Einkaufen beim Schiffszubehörhändler in der Lagune benutzt haben und ihn vermutlich dort vergessen haben. Wir machen uns sofort auf den Weg dort hin und unsere Vermutung bestätigt sich. Wir erhalten den Bootsschein zurück und sind total erleichtert. Nun ist alles erledigt und wir machen uns auf den Weg an die Südküste Grenadas in die Prickley Bay, die uns wie vielen anderen Seglern als Absprunghafen nach Trinidad dienen wird. Es sind nur 9 Seemeilen von St. Geroge's in die Prickley Bay, aber es wird ein anspruchsvoller Trip. Zunächst brausen wir mit herrlichem Raumschotkurs (Wind von schräg hinten) bis zum Südcup der Insel, dann hoch am Wind (Wind schräg von vorne) und zum Schluss kreuzen wir (im Zickzack gegen den Wind) bei steifer Brise, hohen Wellen und gerefften Segeln bis in die Bucht. Wir ankern neben einem schönen, großen, skandinavischen Schoner, der Victoria, die wir seit Bequai immer wieder treffen. Die Crew, bestehend aus eienm älteren Mann, vermutlich dem Skipper, und 5 Jungs um die 20 winken freundlich. Es liegen ca. 50 Schiffe in der gut geschützten Bucht. Es gibt einen kleinen Einkaufsladen, eine Pizzeria und eine nette Strandbar, sowie eine kleine Werft. Von hier aus wollen wir eine Inselrundfahrt mit Besichtigung der Schokoladenfabrik Grenadas machen. Leider hat die österreichische Führerin, die uns "Karl Perle" empfohlen hat keine Zeit und die Schokoladenfabrik seine Tore für Besucher geschlossen. So machen wir uns auf eigene Faust auf den Weg. Wir wandern von Bucht zu Bucht, gehen Pizza essen, erstehen im Einkaufsladen leckeres, von einem deutschen Bäcker gebackenes Roggenbrot und Schneckennudeln und Wolfgang findet bei Budget Marine, einem der größten Yacht- und Schiffszubehörhändler in der Karibik, fast alles, was sein Herz begehrt und die GENESIS unbedingt braucht. Von Zeit zu Zeit regnet es kräftig und wir nutzen die Süßwasserschauer zum Wäsche waschen und Baden. Wir hören ausführlich Wetterbericht um ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Trinidad zu erwischen. Mehrmals verschieben wir die geplante Abfahrt, weil die Windrichtung mit Ost/Südost nicht gerade optimal ist. So kommt es, dass wir unseren 20. Kennenlerntag in der Prickley Bay verbringen und in der "RED GRAB", einem netten Lokal bei leckerem Essen, rotem Wein und reichlich Moskitos auf die vergangenen 19 Jahre und speziell auf das letzte Jahr zurück blicken. Als Service des Hauses wird OFF, das Autan der Karibik, gegen Moskitos gereicht. Es würde jetzt den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn wir ausführlich über den Rückblick schreiben würden. Vielleicht gibt es den einmal als "SPECIAL" und in doppelter Ausführung einmal aus Wolfgangs Sicht und einmal aus meiner Sicht - wäre sicher spannend. Gesagt sei nur dies: Wir haben den Schritt bis jetzt nicht bereut und wir freuen uns auf die weiteren gemeinsamen Abenteuer mit und auf der GENESIS. Am 24.06.07 um 17:40 Uhr ist es dann so weit. Wir gehen Anker auf und machen uns auf den Weg nach Trinidad. Der Wetterbericht hat Ost/Nordost vorhergesagt. Wenn's stimmt wird es ein toller Nachtschlag. |
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