| 26 Bequia 03.05.2007 - 19.05.2007 | |
| Ein konstanter Ostwind, 3 - 4 Bft. und achterliche Welle sorgen für eine flotte
Überfahrt. Schon nach zwei Stunden liegen wir bereits wieder vor Anker in der Admiralty Bay.
Bisher haben wir entgegen aller Erwartungen auf unserem Weg nach Süden viel mehr schöne
Halbwind-Kurse segeln können als auf unserem Weg nach Norden. Die Crux ist nämlich die: Während
die ganze Armada von Seglern zu Beginn der Saison aus der hurricanfreien Zone im Süden nach Norden
segelt, herrscht vorwiegend Ostwind mit ab und zu nördlicher Komponente. Am Ende der Saison wenn
alle wieder Richtung Süden segeln, Ostwind mit mehr oder weniger starker Südkomponente.
Das heißt, wenn's dumm läuft immer Wind auf die Nase und unbequemes Am Wind Segeln oder Aufkreuzen.
Da hilft nur Geduld aufbringen um auf den richtigen Wind zu warten und hoffen, dass die
Wetterprognosen stimmen. Bequia gehört zu den Grenadinen, genauer gesagt zum Staat "St. Vincent und die Grenadinen (mehr dazu durch Klick auf die Fahne). Die seefahrerische Tradition ist bei den Bequianern, überwiegend Nachkommen der ersten schottischen Siedler und der Walfängerbesatzung noch sehr lebendig und James F. Mitchell der Ministerpräsident des Staates ist auf Bequia aufgewachsen und mit den Bedürfnissen der Segler vertraut. So werden z.B. Maßnahmen ergriffen um die gefährdete Umwelt der Inseln zu schützen. Unter anderem ist St. Vincent die erste Insel die Jetskis verboten hat und in den Naturparks gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen für motorisierte Gefährte. Selbstverständlich sind wir Yachties auch betroffen. In bestimmten Buchten ist das Ankern nicht erlaubt, gebührenpflichtig oder zeitlich begrenzt. Aber das nehmen wir gerne in Kauf, wenn es der Erhaltung des traumhaften Segelreviers dient. Die Versorgungslage auf Bequia ist ausgezeichnet. Es gibt einen großen Obst- und Gemüsemarkt. der fest in Rasta-Mans Hand ist. Die Jungs sind sehr geschäftstüchtig und ehe wir den Fuß richtig in die Markthalle gesetzt haben sind wir schon von fünf Händlern umringt, die lautstark und mit Händen und Füßen fuchtelnd ihre Waren anbieten. Ich verschaffe mit erst mal Platz, erkläre, dass ich mich zunächst in aller Ruhe umschauen will und mich dann entscheiden werde, bei wem ich was kaufe. Das klappt dann ganz gut und im Laufe der nächsten zwei Wochen kommen wir glänzend miteinander zurecht. Ich handle die Preise von "Touristen-Preise" auf "Local-Preise" herunter und einer der Händler, der auf sehr großem Fuß lebt hat einen riesen Spaß an meinen kleinen Füßen. Er fragt mich was für eine Schuhgröße ich habe, kriegt sich kaum mehr ein - 15 Schuhnummern Unterschied sind ja auch beachtlich - und wir machen ein Erinnerungsfoto. Wir leben auf jeden Fall wie Gott in Frankreich, mit täglich frischem Obstsalat, leckeren Gemüseaufläufen und frischen Tomaten zu vernünftigen Preisen. Bei einem Deutschen, der eine kleine Bäckerei und ein Café betreibt, gönnen wir uns ein Baguette und einen Cappuccino. Die Preise sind allerdings zu hoch, vergleichbar mit Freiburger Marktplatzcafé-Preisen, so dass dies ein einmaliges Vergnügen bleibt. Unser Kaufverhalten hat sich in den letzten Monaten schon sehr verändert. Während ich früher keine Ahnung davon hatte, was etwa ein Liter Milch oder ein Pfund Butter kostete und in unserem Einkaufswagen alles landete worauf wir Lust hatten, ohne dass wir auf den Preis schauten, fallen uns heute die Preisunterschiede von Insel zu Insel auf, stellen wir fest, wann Saison für welche Obstsorte ist und wir schreiben uns auf, wenn wir was gutes zu vernünftigen Preisen erstanden haben. Die Devise heißt auch: "auf Vorrat kaufen", wenn man günstig etwas findet, wer weiß, wo man es wieder bekommt und ob es dann nicht viel teurer ist. Den Satz: "Das kaufen wir nicht, das ist viel zu teuer" haben wir in den letzten Monaten sicher häufiger gebraucht als in unserem gemeinsamen "Vorsegler-Leben" zusammen. Und trotzdem vermissen wir nichts (außer Familie und Freunden natürlich) und fühlen uns reicher als je zu vor. Wir verlegen unser zu Hause, nachdem die Vorräte wieder aufgestockt sind an den nahe gelegenen Thomas Gibson Beach wo es ruhiger ist und der Strand und das türkisfarbene Wasser zum Schwimmen einlädt. Neue Bekanntschaften bringt Bequia auch. Wir lernen Klaus und Marina von der Yellowman, einer 40 ft. Ovney aus Deutschland und Hans und Gabi von der September einem 38 ft. Proudh Katamaran aus Östereich kennen. Wir treffen uns zum Sundowner, tauschen Bücher, Hörbücher und Abwasserrohre zum Bau einer Verlängerung der Außenbordmotorsteuerung. Die Zeit fliegt nur so dahin und bevor wir uns wieder auf den Weg machen bestellen wir per Funk das Versorgungsschiff, dass hier in der Bucht mit Diesel- und Wassertank ausgerüstet unterwegs ist, um unsere Wasservorräte auf zu füllen - der Wassermacher läuft immer noch nicht ;( Super Service ? 200 Liter Wasser ohne Kanister zu schleppen ;) Unser Aufenthalt auf Bequia wird unfreiwillig verlängert, als uns beim 1. Auslaufversuch nach einer Seemeile unser Vorsegel, die Genua reißt. Ein 4 Meter langer Riss entlang des UV-Schutzes am Achterlik zwingt uns zum Umkehren. Das Bergen des kaputten Segels wird abenteuerlich. Der Riß bleibt im Radargerät am Mast hängen und vergrößert und verheddert sich, so dass wir am Ende das Segel mit dem Messer stückchenweise herunterschneiden. Egal, reparieren wäre eh nicht mehr drin gewesen, dafür war es zu alt, jetzt gibt eine Handtasche oder zwei ;) Unser Ersatzsegel, das wir in Elba gekauft haben ist zu kurz für unser Vorstag. Einer der drei Segelmacher vor Ort verlängert es professionell und wir können fünf Tage später endlich weitersegeln. Die Tobago Cays warten mit grandiosen Schnorchelrevieren und Hans und Gabi und die September auch. |
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