| 25 St. Vincent 19.04. - 02.05.2007 | |
| Start um 06:30, Beate ist noch ziemlich verschlafen, bringt unsere Genesis aber sicher
aus der Abdeckung der Insel. Wir sind wieder auf dem Atlantik. Die Überfahrt von Lucia nach St. Vincent
bringen wir hoch am Wind fahrend in 6 Stunden hinter uns. Bei 4 bis 5 Bft. läuft die Genesis trotz hoher
Welle mit 6 Knoten Richtung Süd. Nur die starke Strömung und die heftigen Böen am Nordende von St. Vincent
trüben den Segelspass etwas. Auf der Leeseite der Insel schläft der Wind wie üblich ein. Wir erreichen
motorend unsere erste Bucht auf St. Vincent, Chateaubelair und ankern an der Nordseite auf tiefem, klarem
Wasser vor einem mit unzähligen Palmen bewachsenen Bergrücken. Traumhaft und einsam. Direkt unter uns tummeln
sich die Korallenfische zwischen großen Weichkorallen und gelben und blauen Schwämmen. Angeblich ist dies eine der gefährlicheren Buchten in diesem Teil der Karibik. Vor einem Jahr gab es hier einige Zwischen- und Überfälle auf Yachten. In unserem Karibikführer gibt es eine Warnung. Beate besteht deshalb darauf, sich nachts in der Genesis einzuschließen. Für mich ein Gräuel. Nicht nur wegen den dann hohen Temperaturen im Schiff. Seit Elba, also seit 8 Monaten haben wir unser Schiff nachts nicht verschlossen und uns immer sicher gefühlt. Ich will uns nicht selbst einsperren und bin mir auch ziemlich sicher, dass ich aufwachen werde wenn jemand nachts bei uns einsteigt. Gegen 23:00 öffne ich deshalb nach Absprache mit Beate den Niedergang wieder. Endlich wieder frische Luft, endlich wieder gut schlafen. Am nächsten Morgen nähert sich uns ein Boot mit 2 wild aussehenden Schwarzen. Fischer, wie es sich nach ein paar Worten herausstellt. Sie bieten uns einen riesigen Hummer für etwa 60 US$ an. Ein fairer Preis, leider haben wir keinen Topf der für das Tier groß genug wäre. So begnügen wir uns mit einem schönen Red Snapper, der abends gleich in die Pfanne kommt. Immer wieder fahren Fischer vorbei und beäugen uns neugierig. Unser Winken wird freundlich erwidert. Alles schön friedlich. Eigentlich müssten wir auch auf St. Vincent sofort einklarieren, geht in der Chateaubelair Bay aber nicht. Trotzdem verbringen wir auch die zweite Nacht hier und fahren erst am nächsten Morgen weiter nach Wallilabu. Hier wurden Teile des Seeräuberfilmes "Fluch der Karibik" gedreht und die Filmkulissen stehen noch. Wir werden bereits vor der Bay von einem Leinenboy im Ruderboot abgefangen und klären mit ihm ab dass wir an eine seiner Bojen gehen. Beate weigert sich aber, ihn mit seinem Ruderboot in Schlepp zu nehmen, weil dabei einfach zuviel passieren kann. So zuckeln wir mit ganz kleiner Fahrt hinter dem Ruderer, der sich mächtig ins Zeug legt, in die Bucht. Meine Skipperin kennt keine Gnade! Festgemacht wird an einer Boje mit Heckleine zum Seeräubersteg. Die Boje ist kostenlos wenn wir in der "Filmkneipe" essen. Mehrere Bestellversuche sind am Abend allerdings erfolglos, fast alle Gerichte sind gerade ausgegangen. Trotzdem sind wir mit dem kreolischen Gericht, das dann auf den Tisch kommt, sehr zufrieden. Beate hat vor dem Essen noch beim Customer einklariert. Jeden Werktag von 16:00 bis 18:00 ist der Posten besetzt. Weiblicher Charme hilft bei der Frage wo wir denn die letzten 2 Tage gewesen sind. Illegal zwei Tage in St. Vincent und Beate erzählt dem Customers eine Story, wer hätte das von ihr gedacht. Am nächsten Tag bunkern wir Wasser mit einem langen alten Schlauch der aus vielen Teilen besteht und von Land durchs Wasser gerade bis ans Schiff reicht. Abenteuerliche Versorgung, aber eine gute Wasserqualität! Tags drauf fahren wir 3 Meilen mach Norden zurück und ankern in der Cumberland Bay mit Heckleine zum Steg vor dem "Black Baron", einer netten Kneipe. Wir haben noch nicht richtig festgemacht schon sind wir umringt von Bootboys, die uns was verkaufen wollen. Das erste mal dass wir so massiv bedrängt werden. Da hilft nur freundlich aber sehr bestimmt klarzumachen dass wir noch beschäftigt sind und wenn überhaupt dann später kaufen. Wir beschließen an Land zu gehen, was sich etwas schwierig gestalte, weil sich bereits auf dem Dingisteg 3 Hunde, zwei davon ziemlich groß, tummeln. Beate nimmt allen Mut zusammen und wir werden mit der Nachricht belohnt, dass es im "Black Baron" freies W-Lan gibt. Josef, der "Bürgermeister" der Bucht liefert uns am nächsten Morgen frisches Brot und wir lernen ein junges Paar aus Belgien kennen das die Besitzer der Kneipe seit einigen Wochen vertritt. Die sind in Frankreich im Urlaub. Leider sprechen Eve und Dani nur französisch, aber mit Hilfe zweier Rasta-Männer, Golan und Josef II, klappt die Verständigung gut. Die beiden Rastas waren Komparsen im Seeräuberfilm. Auf den Bildern könnt ihr sehen dass der Maskenbildner ganz wenig Arbeit hatte. So sehen Seeräuber hier tagtäglich aus. Am Sonntag sagt uns Josef dass eine Mega-Party am Strand stattfinden wird. Als ein Lastwagen mit riesigen Boxen am Ufer auftaucht und wir beim Soundcheck eine Kostprobe von der zu erwartenden Lautstärke und der Musikrichtung bekommen beschließen wir spontan uns wieder in die Chateaubelair Bay zu verdrücken. Dort haben wir dann unsere Ruhe, wir bergen das Vorsegel und ich nähe mit Beates Hilfe den UV-Schutz neu fest. 3 Stunden Näharbeit mit unserer patenten Handnähmaschine. Voll in die Hosen geht mein Hilfeversuch, als sich uns nachmittags ein Fischerboot mit mehreren Männern rudernd nähert. Kein Sprit mehr. Großzügig versorgen wir sie mit ein paar Litern des kostbaren Nass. Der Motor bleibt aber nach ein paar Sekunden erneut stehen und sie treiben wieder Richtung Meer. Schlagartig wir mir bewusst, dass ich ihnen für ihren Außenborder Diesel gegeben habe. Peinlich, peinlich! Ich mache also unser Schlauchboot flott, und fahre mit dem richtigen Kanister hinterher. Nachdem die Spritleitungen und der Vergaser gereinigt sind läuft die Mühle wieder und alles hat ein versöhnliches Ende. Es ist so schön hier dass wir zwei Tage in der Bucht bleiben. Dann geht der Anker hoch und wir segeln in die Hauptstadt Kingstown am Südende der Insel. Bereits das Anlaufen der Bucht gestaltet sich ausgesprochen schwierig. 35 Knoten Wind bläst uns ins Gesicht, der Ankergrund ist miserabel und der Landgang gestaltet sich schwieriger als gedacht. Alles abgesichert und abgesperrt. Ein Hafenarbeiter bietet sich als Hilfe an und schleust uns an den Wachen vorbei aus dem Zollbereich. Nach dem Einkaufen haben wir und unser Hafenmann erhebliche Probleme wieder an unser Schlauchboot zu kommen. Wir müssen einen Passierschein beantragen, mit Durchschlag und so (kostet etwa 50 Cent) dann können wir wieder aufs Schiff zurück. Blöde Bürokratie, ich komme mir vor wie in der BRD. Die Bedingungen sind in Kingstown so schlecht dass wir sofort zurückfahren. Unterwegs ankern wir in einer ganz kleinen Bucht beim Rock Side Cafe. Einem "Cafe" das von einer Deutschen betrieben wird. Rosi ist schon viele Jahre in St. Vincent, mit Orlando, einem Einheimischen verheiratet und betreibt ihr idyllisch gelegenes Cafe das am Hang liegend einen wunderschönen Blick auf die Bucht mit unserer Genesis und das Meer bietet. Leider gibt es keinen Steg zum anlegen aber Orlando hilft uns am Strand. Das kreolische Abendessen ist wie die Unterhaltung richtig gut und und preiswert. Wir verbringen einen netten Abend mit den beiden. Auf der Rückreise in der nächsten Saison werden wir sicher wieder hier anlegen. Am nächsten Tag werfen wir den Anker erneut in der Cumberland Bay. Wir bleiben weitere 6 Tage in dieser Bucht bei den tollen Menschen und nutzen fleißig den Internet-Access. Abends gibt es einen Sundowner oder Aperitif im "Black Baron". Beate freundet sich, man glaubt es kaum, mit den großen schwarzen Hunden an, sie liegen ihr buchstäblich zu Füßen. Ich putze unser Unterwasserschiff mit Flossen, Schnorchel und Taucherbrille. Je Seite etwa 4 Stunden intensivste körperliche Unterwasserarbeit. Tausende von kleinen Garnelen die auf unserem Schiffsrumpf wohnten werden ihrer Unterkunft beraubt und finden sich bei mir auf der Haut und in jeder Körperöffnung wieder. Da zwickt es gewaltig wenn sie versuchen sich an mir festzuhalten . Die Farbreste färben Haut und das graue Haar noch tagelang blau. Sonst faulenzen wir viel und genießen das schöne Karibikwetter. Auf dem Weg nach Bequia laufen wir als Absprunghafen ganz im Süden von St. Vincent die Blue Lagoon an. Leider steht der Wind schlecht und wir müssen aufkreuzen. Die letzten Meilen bringen riesige Wellen auf den Bug und zweimal fällt unsere Genesis über den Wellenkamm regelrecht ins nächste Wellental. Für das Material wie für die Nerven der Besatzung eine extreme Beanspruchung. Nach erfolglosem Ankerversuch liegen wir an einer Boje außerhalb der Lagoon-Marina. Tauchen ist angesagt weil sich 50 m unsere Angelleine in der Schraube verfangen haben. Ich habe einfach vergessen vor dem Ankermanöver die Leine einzuholen. Scheiß Tag! Auf unserem Landgang erwerben wir billig einen großen Thun und frisches Brot. In einer Kneipe verkauft uns ein Rasta-Mann 3 Feuerzeuge in den Rastafarben Rot, Gelb und Grün. Wir haben viel Spaß und unterhalten uns prächtig. Danach geht's zurück auf das Schiff, kochen, essen und früh in die Koje, morgen wollen wir übers Meer nach Bequia, da müssen wir fit sein. |
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