23 Guadeloupe 12.03. - 20. 30.07
 
Das erste Mal auf unserer Reise, dass wir auf der Atlantikseite oder zwischen den Inseln der Karibik keinen Wind und auch keine Welle haben. Die Fahrt von den wunderschönen Saintes nach Point a Pitre, der Hauptstadt von Guadeloup, findet unter Motor statt. Auch die Fische scheinen dieses Wetter nicht zu mögen, keiner beißt, obwohl wir zwei Leinen schleppen. Macht nichts, wird wenigstens der Batterieblock wieder einmal so richtig geladen. Die letzten Wochen haben die Solarzellen und der Windgenerator diese Arbeit, je nach Sonne und Wind, übernommen.

Die Einfahrt in die Hauptstadt ist ein wenig tricky, das Fahrwasser schlängelt ich wie eine Schlange zwischen den Sandbänken und Riffen. Mit unserem Kartenplotter kein Problem, das GPS zeigt unsere Position genau an, wir können es anhand der Fahrwassertonnen gut kontrollieren. Bei unseren Abkürzungen haben wir manchmal weniger als einen Meter Wasser unter dem Kiel. Die Karten stimmen und wir kommen wohlbehalten in der Hauptstadt an. Vier erfolglose Ankerversuche in der Nähe des Stadthafens zwingen uns an eine Boje neben einer Untiefentonne vor der Marina von Point a Pitre. Unser Anker flutscht jedes Mal, wenn wir ihn eingraben wollen, durch den Bodengrund wie durch Pudding. Jetzt wissen wir auch warum hier fast niemand ankert.

Bei unserem Besuch mit dem Beiboot in der Marina stellen wir schnell fest, dass wir wieder in einer Außenstelle von Frankreich sind. Zwar müssen auch Europäer einklarieren, das Schengener Abkommen gilt hier nicht, aber die Supermärkte und die anderen Läden bieten fast europäischen Standard. Wenn auch mit Inselaufschlag.

Die Hauptstadt, etwa 25 000 Einwohner, erleben wir als quirlige lebendige Ansammlung von Menschen aller Schattierungen. Von ganz schwarz bis ganz weiß. Laut geht es zu auf den Straßen und Märkten. Beeindruckend die farbige Vielfalt bei Obst, Gemüse und frischem Fisch. Zum entschuppen der Meeresbewohner werden einfach 3 bis 4 Kronkorken an ein Brettchen genagelt und fertig ist das praktische Werkzeug. Kann zwar optisch mit dem Cromargan - Fischentschupper, den uns Jochen und Bärbel zum Abschied geschenkt haben, nicht mithalten, aber das Teil ist sehr funktional.

Im Zentrum sehen wir einen Nähmaschinenladen. Beate will wieder eine Nähmaschine an Bord, irgendetwas stabiles, gebrauchtes ohne viel Schnickschnack. Nach einem Sandwich wollen wir uns informieren, kurz vor uns werden die Rollos runtergelassen. Mittagspause. Wir beschließen zur Genesis zurückzufahren und kaufen vom Fischer frischen Fisch fürs Abendessen.

Am nächsten Morgen fährt eine Stahlyacht nahe an uns vorbei Richtung Marina. Bevor wir reagieren können fahren sie schon auf der falschen Seite der Untiefentonne und laufen auf. Wir machen unser Dingi, das wir wie jeden Abend an der Bordwand hochgezogen haben, flott und ich fahre rüber. Von unserem Nachbarschiff naht ebenfalls ein Beiboot mit Außenborder. Nach kurzer Verständigung versuchen wir die Yacht frei zu schleppen und zu schieben. Nichts geht. Der Schlick hält wie Pattex. Als nächstes hängen wir beide Dingis seitlich an die Spinnackerschot und versuchen das Schiff zu grängen, um so den Tiefgang zu verringern. Ein paar Meter schaffen wir. Dann muss der Skipper des zweiten Beiboots weiter, weil er jemand vom Flughafen abholen muss. Hilfe naht durch eine andere Yacht, die den Havaristen an den Haken nimmt. Meter um Meter schleppen und schieben wir den Unglücksraben aus dem Schiet. Dann vertörnt sich bei der schleppende Yacht die Schleppleine in der Schraube. Jetzt hängen 2 Yachten, eine im Dreck, die zweite an der Schleppleine, während wir die Schraube abtauchen und die Leine entfernen. Geht ziemlich schnell und jetzt kommt auch noch ein Motorboot mit einem fetten 200 PS Aussenborder zur Hilfe. Ein anderer Yachti hat ein elektronisches Handlot und sucht mit seinem Beiboot die tiefsten Stellen. Gemeinsam kriegen wir den festsitzenden Franzosen frei. Einige Flaschen Rotwein wechseln den Besitzer, alle sind happy. schön dass unter Seglern die Hilfeleistung noch so normal ist!

Am nächsten Morgen besuchen wir den Ship Candler. Ein richtiges Schlaraffenland für Segler, bei dem es alles gibt. Vom Außenborder bis zur Schiffselektronik, vom Beschlag bis zum Angelzubehör, von der Tauchausrüstung bis zur Inoxschraube, und und und! Nur den Gasgrill, den wir kaufen wollen hat er nicht da und eine große Gasflasche auch nicht. Schade, aber dafür werden wir in dem Nähmaschinenladen, den wir als nächstes aufsuchen, fündig. Sie haben eine gebrauchte, stabile und einfache japanische Nähmaschine, die, wichtig an Bord, wenig Strom braucht. Wir werden uns schnell einig, für 210 Euro wird das Teil, vom Mechaniker noch einmal überholt, den Besitzer wechseln. Wir können sie am nächsten Tag abholen. Zufrieden bummeln wir auf dem Rückweg zum Schiff noch einmal über den Markt, fotografieren dabei die Marktfrauen, testen bei ihnen unsere Französischbrocken und überlegen uns, auf der Genesis angekommen, was wir, beziehungsweise Beate, so alles nähen könnte. Schnell bringen wir noch unsere Wäsche in die Wäscherei in der Marina. Bettbezüge und Handtücher sind an Bord bei dem eingeschränkten Süßwasservorrat nicht so einfach zu waschen, und preiswerter als die letzte Wäscherei in der Rodney-Bay sind sie hier auch. Waschsalons wie in Europa gibt es bisher in der Karibik leider nicht.

Am nächsten Tag fahren wir vorsichtig mit dem Dingi auf die Genesis zurück. Kostbare Fracht an Bord, die neue Nähmaschine. Salzwasser würde ihr sicher nicht bekommen, obwohl der Mechaniker, bei dem wir sie abgeholt haben, sie noch einmal gründlich geölt hat. Statt Nähmaschinenöl benutz auch er wie wir an Bord CW 40, das Allzweckwundermittel.

Wir wollen am nächsten Morgen früh zur Tankstelle, Sprit und Wasser bunkern und dann in den Norden von Guadeloupe. Gerade noch rechtzeitig fällt uns ein dass wir die Wäsche abholen müssen. Für mich ein Grund, endlich mal den Außenborder auszufahren und flott in die Marina zu gleiten. Frühmorgens sind wir an der Tankstelle, nach einem super Anleger von Beate versorgen wir uns mit dem notwendigen Nass. Dann geht's weiter.

Guadeloupe hat die Form eines Schmetterlings der in etwa von Südwest nach Nordost ausgerichtet ist. Point a Pitre liegt im Schwanz, um in den Norden zu kommen müssen wir den linken Flügel umrunden. Also ist Süd angesagt. Anfangs unter Motor können wir kurz vor der Südspitze endlich Segel setzen und wieder Richtung Nord fahre. Unser erster geplanter Übernachtungsort Bassterre entpuppt sich als Ankerplatz vor dem Hafen, so dass wir weiterfahren bis zur Anse a la Barque, eine kleine Bucht, in der nur einige Fischerboote liegen. Dort übernachten wir einsam und ruhig. Die Pigeon Island im Cousteau Nationalpark können wir als nächstes nicht anlaufen. Zuviel Wind und Welle. Zwar machen wir an einer Boje im Norden der ganz kleinen Insel fest, aber es erscheint uns einfach zu gefährlich, hier länger liegen zu bleiben. Keine 20 m vor uns brechen sich die Wellen in den Felsen und das Wasser wird in den Himmel geschleudert. Also losmachen, volle Fahrt zurück und weiter nach Deshaies, die letzte Bucht im Norden von Guadeloupe.

Wir ankern auf 7 m Wassertiefe. In dieser Bucht bläst es immer ziemlich stark, liegt an den steil aufragenden Bergen, die viele Düsen bilden und den vorhandenen Wind entsprechend beschleunigen. Aber wir finden einen guten Ankergrund und unser 25 Kg Cobra-Anker gräbt sich, wie ich beim obligatorischen abtauchen des Ankers beruhigt feststellen kann, bis über beide Ohren in den Sand. In der ersten Nacht werden immer mal wieder Yachten verlegt, als einige Anker bei 6-7 Windstärken zu slippen beginnen. Da wird's in der sonst ruhigen Bucht ziemlich lebhaft und es wird nicht nur in französich sondern auch in englisch, italienisch und deutsch geflucht. Mitten in der Bucht liegt eine kleine Fähre an einer Boje, die sich in den Böen anders als die vor Anker liegenden Yachten bewegt und somit das Chaos entsprechend verstärkt. Gegen Morgen lässt der Wind nach und als die ersten Hähne krähen gehe auch ich beruhigt schlafen. In der Karibik scheinen die Hähne keine innere Uhr zu haben. Immer wieder hören wir bereits ab 04:00 den Weckruf dieser Krawallmacher. Aber wenn man ausschlafen kann ist das ja kein Problem.

Tags darauf verabreden wir uns an Bord der Genesis mit einem deutschen Paar, das ebenfalls in der Bucht liegt, auf einen Sundowner . Wird richtig nett, wir quasseln ziemlich lange mit Wilma und Gerd von der Aguilla, die schon 2 Jahre hier unterwegs sind. Gerd ist Maschinenbautechniker und wir fachsimpeln über all die kleinen und großen Probleme an Bord unserer Schiffe während unsere Bordfrauen ihre eigenen Themen pflegen.

Den n&>auml;chsten Vormittag verbringen wir im Ort, kaufen ein und laden in einer Bäckerei unseren Laptop am Stromnetz auf während wir einen Caffee trinken. Leider gibt es in der französischen Karibik keine Landjäger zu kaufen. Wir hätten für den nächsten Tag gerne welche gekauft, da wir eine Exkursion in ein Tal vorhaben, das sich steil südöstlich des Ortes erstreckt. Frühmorgens gehen wir los, zuerst noch auf einem schmalen Weg am Ufer des Baches, der ins Meer fließt. Nach einer viertel Stunde Fußmarsch endet der Weg, weiter geht's am und vor allem im Bach, meistens über große und kleine Felsen. Immer höher durch das Bachbett und den Regenwald. Nach einer weiteren halben Stunde brauchen wir die erste Pause. Füße kühlen, frischen Süßwasser ohne Ende. Wir sitzen im Flusssand, kleine Garnelen knabbern an den Haaren meiner Füße, halten diese wohl für etwas Fressbares. Ich nehme ein erfrischendes Vollbad. Über und um uns der Urwald, bereits wenige Meter außerhalb des Bachbettes undurchdringlich. Urwaldriesen mit meterhohen Luftwurzeln sind die Basis für Orchideen und Schmarotzerpflanzen. Dazwischen scharfzahniges hohes Gras und dorniges Dickicht. Meterhohe Blütenstände sind das Esszimmer für die farbenfrohen Schmetterlinge und unzählige Insekten. Kolibris machen mit ihren leuchtenden Farben den größeren Vögeln Konkurrenz.

Wir klettern immer weiter den Berg hinauf. Immer öfter müssen wir umkehren, weil es auf unserer Route kein Weiterkommen gibt, und nach Alternativen im Bachbett suchen, das sich vor uns teilt. Wir nehmen die nördliche Route, einige Meilen oberhalb soll in der Nähe ein Weg vorbeigehen. Die nächste Rast dauert etwas länger, Müsliriegel müssen als Landjägerersatz herhalten. Wir finden im Wald eine Seilbahn an deren Ende wir auf einer kleinen Lichtung eine Hütte entdecken. Um uns herum ein exotisches Blumen- und Blütenmeer. Riesenfarne sorgen für den notwendigen Schutz vor der alles versengenden Sonne. Der Aufstieg wird immer beschwerlicher und dann sehen wir endlich den Weg. Geschafft! Wir merken deutlich, dass unsere Beine an Bord nur noch statisch belastet werden. Nach einer Pause machen wir uns an den Abstieg in die Zivilisation. Bald sind wir an den ersten Häusern die am Berg kleben und über extrem abschüssige Straßen erreichen wir müde Deshaies und unser schwimmendes Zuhause. Zur Belohnung für die anstrengende Tour gibt es abends in einer Kneipe ein kreolisches Essen.

Nachdem wir in den Osterferien Besuch erwarten, beschließen wir, nicht wie ursprünglich geplant noch nach Antigua zu fahren sondern uns wieder Richtung Süden auf den Weg zu machen. Über die Saintes und Dominika soll es nach Martinique gehen. Die Fahrt zurück ist wie so oft voller Überraschungen. Zuerst unter Motor wegen Flaute zwingt uns später starker Wind zu einer unfreiwilligen Übernachtung in einer ziemlich offenen Bucht mit viel Schwell. Am nächsten Tag verlassen wir Guadeloupe unter Segel und erreichen mit kräftigem Wind , heftigen Wellen und mehrmaligem aufkreuzen gegen Nachmittag geschafft aber unversehrt unser Lieblingsbucht auf de Saintes.
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