21 Dominica 26.02. - 05.03.07
Die Überfahrt nach dominica bewältigen wir im Expresstempo. In knapp drei einhalb Stunden 25 sm. Einzige Überraschung ein Segler den wir überholen und der hinter uns plötzlich wendet und mit backstehendem Vorsegel zurückfährt. An Bord keine Menschenseele zu sehen. Beate nimmt Fahrt aus dem Schiff, wir schauen uns alles mit dem Fernglas an, gehen auf Kanal 16 der Funkanlage, der für Notrufe reserviert ist - Nichts. Entweder die sind so mit sich beschäftigt, dass sie nicht mitgekriegt haben wie der Autopilot einen 180er fährt oder. Keine Ahnung. 20 Minuten später sind sie dann wieder auf Kurs. Wir düsen weiter.
Unterwegs wird der Ruderdruck immer größer und ich habe das Gefühl, dass mit unserer Ruderanlage etwas nicht stimmt. Um geradeaus zu fahren muss ich richtig kräftig bis fast zum Anschlag nach steuerbord kurbeln. Später stelle ich beim abtauchen der Anlage fest dass alles in Ordnung ist und wir nur mit einer richtig kräftigen Strömung zwischen den Inseln gekämpft haben. Kurz vor dominica dann hammerharte Fallböen von den Bergen. Wind von 18 auf 35 Knoten in 3 Sekunden. Die Gefahrenstelle war jedoch in den Seekarten verzeichnet und wir hatten schon, wenn auch nicht genug, gerefft. Das kann schnell ins Auge gehen und die Segelmacher freuen sich.

Die Ankunft in Rosseau, dominica's Hauptstadt ist etwas überraschend. Im Handbuch Bilder von Hotels, Informationen über Infrastrukturen, Namen von Helfern und und.. Wir werden von John, einem Boatboy, in Empfang genommen und können nichts bekanntes erkennen. Wir machen an einer Boje fest, mit ankern ist nichts in Rosseau, richtig tiefes Wasser bis fast an das Ufer. Dann ein Besuch bei John in seinem "Office", einem Bretterverschlag mit einem baufälligen Holzsteg. So nahe dran könne wir auch die "Hotels" und "Restaurants" erkennen. Da haben die Profis die Bilder im Handbuch aber hervorragend retuschiert.

Die Insel ist unheimlich grün, vollständig mit Regenwald bedeckt, vulkanisch und soll sich seit Kolumbus nicht besonders verändert haben. Wir fahren mit dem Colectivo, einem Sammeltaxi, das nur einige Cent kostet, zum einklarieren in den Zollhafen. Die Formalitäten sind unkompliziert. In dominica kann man bei einem Aufenthalt bis 2 Wochen ein- und gleich wieder ausklarieren, das ist nachahmenswert. Die Hauptstadt ist bis auf ein protziges Verwaltungsgebäude erfreulich flach. Keine Super-Hotelkomplexe, maximal 3 Stockwerke, alles in allen Farben die vorstellbar sind. Die Menschen sind sehr freundlich. Wir gehen von einem Laden in den nächsten auf der Suche nach einer dominica-Flagge. Fast haben wir uns damit abgefunden, eine 2qm riesen Fahne setzen zu müssen als wir mit viel einheimischer Hilfe doch noch fündig werden und eine ca. 30 mal 40 Zentimeter große Gastlandfahne finden. Und dann sehe ich zufällig das Gewerkschaftsbüro der Hafenarbeiter- und Fahrer- Gewerkschaft. Wir nichts wie rein in das kleine Holzhaus an der Straße. In einem kleinen Office unterhalten wir uns eine halbe Stunde mit dem generalsecretary der ersten freien Gewerkschaft von dominica. Er ist ganz hin und weg dass sich Besucher aus Deutschland für seine Arbeit interessieren und erzählt begeistert vom ersten Streik der Hafenarbeiter in 2005. Wie bei uns sind die Gewerkschaften politisch eng mit den Sozis verbunden, was nicht nur er nicht gut findet. Wir verabschieden uns nach einem Erinnerungsfoto, noch ein Blick in die "Bibliothek", es gibt etwa 20 Bücher in dem Raum, und zurück aufs Schiff.

Endlich ins Wasser. Direkt hinter der Genesis ein Korallenkopf auf etwa 3m Tiefe mit viel Bewuchs. Das erste mal dass wir direkt an, oder besser gesagt in einem Ort schnorcheln. Wieder an Bord sehen wir wieder einmal eine Wasserschildkröte die uns mit ihren großen dunklen Augen neugierig beobachtet bevor sie wieder auf abtaucht. Gegen Abend wird es am nahen Ufer lebhaft. Ein älteres Paar kommt mit einer Ziege an der Leine und zerrt sie ins Meer. Die will nicht und es kostet die beiden viel Anstrengung ihr Haustier gründlich mit Salzwasser zu waschen. Karibik-kino vom feinsten!!
Am nächsten Morgen fahren wir frühmorgens mit einem Einheimischen etwa 30 Minuten in die steilen Berge zu den Trafalgar-Falls, den größten Wasserfälle in der Gegend. Er erzählt uns von seinen 9 Kindern und 30 Enkelkindern. Wir haben viel Spass. Bei der Rangers-Station angekommen lassen wir ihn und das Allradauto zurück und machen uns allein auf den Weg durch den Regenwald zu den Wasserfällen. Eine grandiose Natur, alles eine Nummer zu groß. Riesefarne, schwarzer, 20m hoher Bambus, Palmen, riesen farne mit Schmarotzerpflanzen, viele exotische Blüten. Es ist noch angenehm kühl am frühen Morgen. Und dann liegen die beiden Wasserfälle vor uns. Links der kleinere von beiden, etwa 70m hoch und warm, vulkanbeheizt, der rechte noch ein paar Meter höher mit kaltem Wasser. Wir sind ganz allein, ziehen uns aus und gehen in einem kleinen Gumpen nackend in 35 Grad warmem Wasser baden. Hinter uns das Getöse der Wasserfälle, vor uns der Blick über den Regenwald aufs Meer. Um uns riesige Steine und ein dichter Blätterwald. Wolken regnen ab, wir können die Tropfen sehen, aber sie verdampfen bevor sie uns richtig erreichen. Große Schmetterlinge fliegen ruhig von Blüte zu Blüte, nur die Kolibris sind klein und hektisch. Wunderschön, fast unwirklich, eine andere Welt.

Nach einer halben Stunde wird es uns warm und wir ziehen uns wieder an. Auf dem Rückweg lässt sich unser Fahrer von den Rangern noch eine Pflanze für seinen Garten ausgraben, dann geht's wieder Richtung Hauptstadt. Unterwegs zeigt er uns Kaffeepflanzen und wir nehmen ein paar Zitronengräser vom Wegrand für unsere Bordküche mit. Wir lassen uns von ihm in der Stadt absetzen, besuchen den Markt, kaufen dort frisches Obst, Gemüse und Fisch ein. Beate findet am Straßenrand meinen Hut, den ich vor einer halben Stunde beim aussteigen aus dem Auto offensichtlich unbemerkt verloren habe. Wenn heute kein Glückstag ist!! Die Skipperin kocht zum Abschluss aus Yamwurzeln und dem Fisch einen leckeren Auflauf á la dominica, dazu das letzte Bier aus Italien, ein Genuss. Selbst im Bett reden wir immer noch vom Regenwald, und dem tollen Tag.

Der nächste Morgen bringt eine heftige Überraschung. Das Tau an unserer Boje ist in der Nacht gerissen und wir treiben mit der Boje, welch ein Glück, Richtung Ozean. Ein anderer boatboy hat es ebenfalls bemerkt, kommt mit seinem Boot längseits und bemerkt trocken " your have a problem!" Recht hat er, das hätte bei auflandigem Wind heftig ins Auge gehen können. Wir haben noch mal Schwein gehabt. Weil es so kräftig bläst, wird aus dem geplanten schnorchelausflug mit john, ein besuch der heißen unterwasserquellen im nahegelegenen nationalpark. die fahrt in seinem 70 ps motorisierten boot ist halsbrecherisch. wir schlagen in den wellen hart auf und die wirbelsäule wird jedesmal kräftig gestaucht. alles verhinderte "Michael Schumacher".

Am Schiff bunkern wir noch Wasser, etwa 150 Liter, ganz schöne Schlepperei mit Kanistern und dem Dingi. Das Wasser gibt's billiger, wegen der gebrochenen Boje! Dann geht's früh in die Koje. Wir sind müde. Weiter geht's Richtung Norden. Wir beschließen in Castaways zu ankern und die Nacht zu verbringen. Wir sind vor einen langen Sandstrand mit vielen Palmen die einzige Yacht. Mit dem Dingi gehen wir nachmittags an den Strand, schön zum schnorcheln. Ein paar Meter weiter mündet ein Fluß ins Meer, davor im Meer alles eine einzige Müllkippe. Ganz offensichtlich wird im Tal der Abfall einfach im Fluß entsorgt und der Dreck ins Meer gespült. Wir reden bei Spagetti mit Tomatensoße, unserem Abendessen an Bord noch lange über das Verhältnis der Dominicaner zu ihrer Umwelt. Das Paradies hat auch seine Schattenseiten.

Unser nächstes Ziel, die Prince Rupert Bay, erreichen wir gegen Mittag des nächsten Tages. Eine große Bucht, es liegen etwa 20 Schiffe vor Anker und es gibt einen Trans-Ocean-Mann hier. Jan ist sehr nett, lebt auf seinem alten Schiff in der Bucht und betreibt beruflich einen Yachtservice, dazu ehrenamtlich den Trans-Ocean-Stützpunkt. Wir wollen eine neue Membrane für den Wassermacher aus Deutschland an seine Adresse liefern lassen. In der Bucht treffen wir auch Wolfgang mit seiner Yacht "Rosine" wieder. Bei einem gemeinsamen Abendessen, auf der Genesis, Beate brät lecker frischen "Red Snapper" direkt vom Fischer, quatschen wir bis fast Mitternacht. Er ist allein in der Karibik unterwegs.

Auch in dieser Bucht können wir direkt am Schiff schnorcheln. Auf 6m Wassertiefe liegt eine alte defekte Drahtreuse die von einem schönen Kaiserfischpaar besetzt ist. Offensichtlich haben sie Junge und verteidigen ihr Zuhause beherzt auch gegen uns Eindringlinge. Tags darauf bummeln wir durch Portsmouth. Hier ist Karibik pur. Kleine schöne Häuser am Straßenrand, zum Teil mit Blumen im Garten. Direkt daneben liegt alles, Abfall, Altmetall, ein Autowrack, kunterbunt durcheinander und die Hütte dahinter ist kurz vor dem Einsturz aber auch bewohnt.

Krasser können Gegensätze nicht sein. Im Ort mehrere "Supermärkte" mit sehr beschränktem Warenangebot. Zwei, drei Regale mit ein paar Konserven. In einem Laden eine Kühltruhe mit Fleisch. Leicht angetaute Schweineohren,-füße und -schnauzen. das Macht uns nicht an. Wir kaufen Eier und Cornedbeef. Im nächsten Laden frisches Brot. Bei einer älteren Frau am Straßenrand gibt es für ein paar Cent Gemüsebananen vom kleinen holzkohlegrill Schmeckt wie eine Mischung aus Banane und Kartoffeln. Die Lady ist echt gut drauf, wir haben viel Spaß. Beate lässt sich in die Geheimnisse der dominicanischen Kochkunst einweihen. Obst und Gemüse müssen wir normalerweise nicht im Ort kaufen, gibt es ja in der Bucht direkt am Schiff. Abenteuerlich aussehende Jungs mit zum Teil riesigen Zahnlücken mit Surfbrettern oder Ruderbooten verkaufen dort geschäftstüchtig fast alles. Wir sind immer wieder gewarnt worden, dass man von diesen Einheimischen richtig belästigt wird. Wir mussten diese Erfahrung auf unserer bisherigen Reise nicht machen. Natürlich wollen sie verkaufen, klar verlangen sie am Anfang viel Geld. Da hat sich aufgrund der vielen Charterboote sicher einiges nachteilig verändert, dort sitzt das Geld locker. Wir aber werden nett behandelt, handeln mit ihnen, kaufen zu guten Preisen, und stellen fest, dass ein freundliches aber bestimmtes "Nein" immer akzeptiert wird. Auch von Daniel, einem Rasta-Man, der uns am späten Nachmittag noch ziemlich verorgelt etwas verkaufen will. Auf nachfragen erzählt er uns dass er eine "strong Night" hatte und morgen früher kommen will.

Auf dem Sportplatz von Portsmouth spielen Kinder Fussball. Sie haben, warum auch immer, Trikots von der "Basler Zeitung" an. Für ein Erinnerungsfoto posieren sie stolz für uns. Dahinter wird Kricket gespielt, der Nationalsport in diesem Teil der Karibik, noch vor Fussball. Wir schauen ein bisschen zu, die Spielregeln erschließen sich uns aber nur zum Teil. Am nächsten Tag besichtigen wir das Fort, das am Nordende der Bucht liegt. Ein schöner Spaziergang auf den Berg mit einer phantastischen Aussicht über die Insel. Hier wird viel renoviert, unten in der Bucht soll ein Marinepark mit Infrastrukturen für Segler und Touristen entstehen. Nachmittags noch ein Bier in "Papas" Kneipe. Dort können wir mit unserem Laptop ins Netz. Wetterbericht runterladen, mit Eltern und Freunden telefonieren. Wir treffen ein deutsches Paar das mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist und sich abgesetzt hat um die Insel selbst zu erkunden. Sie erzählen uns, wie es ist, wenn sie in einem Hafen oder einer Bucht einlaufen und hunderte Passagiere; auf den großen Schiffen bis zu Dreitausend!!; an Land gekarrt werden um die Standardbesichtigungen durchzuziehen. Massentourismus pur. Wir werden auch von ihnen gefragt ob es uns nie langweilig wird und wir nichts vermissen an Bord, als wir ihnen erzählen dass wir schon 5 Monate so leben. Unsere Antwort auf diese immer wieder gestellte Frage lautet, dass wir für Langeweile einfach noch keine Zeit hatten. Jeden Tag passier neues, unvorhergesehenes, schönes, weniger schönes. Noch ist der Abenteuereffekt auf unserer Reise ziemlich ausgeprägt. Und zwischendrin nichts tun oder viel viel Zeit für uns oder ein gutes Buch zu haben ist Luxus pur.

Nach knapp 2 Wochen dominica beschließen wir diese bisher ursprünglichste aller Karibikinseln zu verlassen und zu den Saints weiterzusegeln. Jan sagt uns zu dass unser Wassermacher-Ersatzteil bei unserer Rückkehr abholbereit ist. Hoffentlich klappt's.
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Neu: berichte als pdf mit bildern!!
 
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