| 20 martinique 02.02.07 - 25.02.07 | |
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Eine Untiefe am Nordende der Insel und die Düse zwischen St. Lucia und Martinique sorgen für einen
fulminanten Start unserer Passage. Die genesis liegt auf der Backe, bevor wir richtig los segeln.
Es wird ein heißer Ritt und wir sind nach 4 Stunden in Martinique am Cul-de-Sac du Marin angekommen.
Das ist eine große tief eingeschnittene Bucht, die von Bergen und Mangroven gesäumt ist. Diese
riesige Bucht mit den vielen hunderten von Yachten ist zu nächst gewöhnungsbedürftig. In Marin ist
das größte Wassersportzentrum Martiniques und die Einklarierungsbehörde. Da sind dann mal eben alle
Yachten versammelt, die vom Süden her Martinique anlaufen oder Martinique in richtung Süden verlassen
wollen. Unser 1. Ankerversuch in dem großen Ankerfeld in der Nähe der Marina geht schief. Der Anker
hält einfach nicht und irgendwie ist es sowieso viel zu eng. Wir finden einen Platz in der 3. Reihe,
wo der Anker gut hält. Dafür werden wir aber künftig recht nasse Dinghyfahrten gegen Wind und Welle
in die Marina haben. Das Seglerleben ist schon ein hartes. Auch wir nutzen die Einrichtungen der Marina und des Wasserwportzentrums. Es gibt kostenloses W-lan in einer Kneipe und wenn man lange genug an der Dusche ansteht kommt auch jemand, der duschen geht und die Dusche aufschließt. Wir bestellen einen Tohatsu Außenbordmotor fürs Dinghy, damit Wolfgang wenigstens 9.8 ps unterm Hintern hat und ein großes Sonnensegel, damit wir vor Sonne und Regen geschützt sind. Wolfgang vervollständigt sein Werkzeug- und Ersatzteilelager und ersteht eine LED-Birne, die 1/10 des Stroms einer herkömmlichen Birne verbraucht und mit hilfe einer kleinen Coke-Flasche wird ein kleines aber helles Lämpchen daraus, dass einmal als Ankerlicht oder als Cockpitlicht benutzt wird. Bis wir unseren neuen Motor abholen können verlegen wir die GENESIS in die Bucht vor St. Anne. Das klare Wasser lädt zum Baden ein und der malerische Ort gibt eine schöne Kulisse ab. Wir essen lecker Pizza und treffen die ein oder anderen Langzeit-Karibik-Segler, die vor Jahren auch wie wir mit dem Ziel die Welt zu umsegeln aufgebrochen und hier in der Karibik hängen geblieben sind. Wir werden freudig als "Frischlinge" und nette Abwechslung in dem tristen "Man-kennt-schon-alle-Karibik-Alltag" begrüßt. Mal sehen ob wir in 3 oder 4 Jahren auch zu der Spezies gehören werden! Um den Motor abzuholen verlegen wir wieder nach Marin. Wir machen an einer Boje fest und versuchen in der Marina festzustellen, was wir dafür bezahlen müssen. Die offizielle Ansage lautet: "Es gibt keine freie Boje mehr". Nachdem wir überzeugend erklärt haben, dass wir bereits an einer Boje fest gemacht haben erfahren wir, dass die Boje Alain gehört und die Marinaverwaltung lässt feststellen, ob Alain die Boje braucht oder nicht. Wir würden Bescheid bekommen, wenn wir nicht bleiben könnten. So gab's dann einen kostenlosen Bojenplatz für 3 Tage und immer wenn jemand von uns wissen wollte, wer uns diese Boje zugewiesen hat war das Zauberwort "alain" und alle waren zufrieden. In Marin lernen wir Charly und Almut kennen, die unseren alten Außenborder kaufen und von denen wir reichlich Tips erhalten. Charly segelt schon 13 Jahre in der Karibik, wobei wir bereits festgestellt haben, dass wir nur die technisch wertvollen Tips und Tricks umsetzen werden. Aussagen wie z.B.: "Da müsst ihr erst gar nicht hin, das lohnt sich nicht", oder ähnliche, werden wir nicht befolgen, sonst sehen wir nichts von der Karibik. Wir segeln weiter in die Petite Anse d'Arlet kleiner Ort, wenig Infrastruktur, wenig Yachten, viele Turtles (Wasserschildkröten), Felsen, Riffe, Sand, alles was ein Schnorchlerherz höher schlagen lässt. Wir beobachten beim Schnorcheln unsere 1. Wasserschildkröte beim abgrasen des Meeresbodens, so wie man das aus Unterwasserfilmen kennt. Die nächste kleine Bucht gibt schnorchlerisch noch mehr her, es haben noch weniger Yachten Platz und es gibt keinen Ort, also auch keine Touristen. Wir trinken Bier mit unserem französischen Nachbarn Jaqué von der Nitschewo und besuchen mit ihm eine nahe gelegene Fledermaushöhle, die man nur vom Wasser aus erreichen kann. In Mitan gibt's dann wieder Wasser, aber keinen Liegeplatz am Steg, sondern nur einen Bojenplatz. Wir gehen nach Tagen mal wieder an Land und abends in einem netten Lokal essen, wo ich den besten Nachtisch meines Lebens esse. Mit geeister Schokoladencreme umhüllte Kirschen mit drei verschiedenen Saucen - Ein Gedicht! Als wir Fort de France, die Hauptstadt von Martinique, erreichen werden wir mal wieder ausgebremst. Wir haben noch so viel zu erledigen. Wir brauchen einen Grill, unser Bimini ist immer noch undicht, aber Fort de France ist 4 Tage im ausnahmezustand. Von Fastnachtsamstag bis Aschermittwoch wird Karneval gefeiert. Fast alle Geschäfte und Behörden sind geschlossen und die Menschen von nachmittags bis nachts auf den Straßen. Jeden Tag gibt es einen Umzug mit jeweils unterschiedlichen Motiven. Montags verkleiden sich Männer als Frauen und umgekehrt, dienstags wird der Teufel vertrieben. Die Farbe rot dominiert und wir sehen vom Schiff aus eine rote Masse sich durch die Straßen bewegen. Am Mittwoch tragen dann alle Trauer. Die Farben schwarz und weiß sind angesagt und nach Sonnenuntergang wird dann unter viel Gejammer eine große Strohpuppe verbrannt und alles ist vorbei. Die ganzen Spektakel werden mit viel Trommelmusik begleitet und wir waren dann doch froh, als es ab Donnerstag wieder etwas ruhiger zuging. Ganz positiv ist uns aufgefallen, dass wir die ganzen 4 tage lang kaum betrunkene Menschen und schon gar keine betrunkene Jugendliche gesehen haben. Unser Versuch, nach dem großen Spektakel, irgendwo ein Rumgetränk aufzutreiben ist kläglich gescheitert. Die härteste Droge, die wir erstanden haben waren 2 Bier. Während der närrischen Zeiten, haben wir die Stadt nur in verrammeltem Zustand gesehen. Jetzt, wo die Rolltüren und -gitter geöffnet sind, zeigt die Stadt ihr buntes, vielfältiges Hauptstadtgesicht. Unzählige Boutiquen, Souveniergeschäfte, bars, Restaurantes, Stoff- und Handarbeitsgeschäfte. Krustelläden, in denen vom Allzweckreiniger über falsche Haare, Schraubenzieher und Kochtöpfe bis zur Zahnbürste alles zu finden ist. Ein großer Obst-, Gemüse- und Fischmarkt und viele kleine Lokale, wo sich die Menschen in der Mittagspause zum Sandwiche-essen treffen. Es macht riesen Spass hier zu bummeln, zu krusteln und zu kaufen. Wir finden zwar keinen Grill, dafür begegnen wir vielen netten Menschen. In einem Krämerladen versorgt uns ein junger mann mit Papier und Bleistift damit wir ihm aufmalen können, was wir suchen und in einem Cd-laden kommen wir mit dem Besitzer ins Gespräch. Er ist Musiker, träumt von einer Bigband und er bekommt glatt Gänsehaut, als er uns erzählt, was Musik für ihn bedeutet. Als er erfährt, dass ich Saxophon spiele schenkt er uns zwei Cd's mit einheimischer Musik. Wegen des Wetters bleiben wir noch ein paar Tage länger in der unruhigen Bucht von Fort de France. Die ein- und auslaufenden Fähren sorgen für ordentlich Schwell. Wir lernen Anke und Gerd von der Tramp und Wolfgang von der Rosine kennen und verbringen zwei nette Abende miteinander. Von Wolfgang erhalten wir die Adresse des Trans-Ocean-Stützpunktes auf Dominica, wo wir uns um unseren kaputten Wassermacher kümmern wollen. Nach einer Woche machen wir uns auf den Weg nach St. Pierre. Dort gehen wir lediglich an Land um auszuklarieren. In der kleinen Bar, die gleichzeitig Customsoffice und Internetcafé ist - endlich mal eine nette Atmosphäre zum Ein- und Ausklarieren - holen wir uns den Wetterbericht vom Netz und telefonieren mit unseren Eltern. Am Nachbartisch sitzen Vater und Sohn, die uns interessiert beobachten und mit denen wir ins Gespräch kommen. Die beiden sind Kanadier und gemeinsam auf Martinique im Urlaub. Der Vater ist begeisterter Segler, war aber bisher nur mit kleinen Jollen unterwegs. Von der Bar aus kann man die Genesis in der Bucht liegen sehen und die beiden sind begeistert. Sie fragen Wolfgang ein Loch in den Bauch und wir laden sie kurzer Hand ein, das Schiff zu besichtigen. Sie lassen sich alles genau erklären und wir verbringen einen netten Nachmittag. Am nächsten Morgen brechen wir früh auf um nach Dominica zu segeln. |
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