19 Saint Lucia 13.01..07 - 01.02..07 |
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| Entnervt aktiviere ich den Autopiloten und gehe unter Deck um den Windgenerator
abzuschalten. Die Böen über 35 Knoten lassen ihn immer wieder ohrenbetäubend
aufheulen. Eine stürmische Überfahrt von Barbados nach St. Lucia mit viel viel Welle
liegt hinter uns. Wir segeln viel von Hand weil die hohe Welle uns immer wieder wegdrückt und
unsere Windselbststeueranlage am Anschlag ist. Beate liegt in der Koje und schläft jetzt
hoffentlich. Die letzten Wachen waren anstrengend. Wir mussten in dieser Nacht oft das zweite Reff
in der Genua und im Grossegel fahren. Das heißt für die Freiwache dann aufstehen,
mithelfen, versuchen, schnell wieder einzuschlafen. Ich umrunde die Südspitze der Insel mit 2 sm Abstand. Es wird schnell flach hier. Eben noch über 1000m Wassertiefe fahren wir jetzt über eine ausgedehnte Kante mit gerade mal 50 m. Dazu die Düsenwirkung zwischen Lucia und St. Vincent, der südlichen Nachbarinsel. Ganz schön heftig. Vor mir tauchen die "Pitons" auf, zwei steile Berge direkt am Wasser. Wie der Zuckerhut nur höher. Das Wahrzeichen der Insel. Ein ausgedehntes Naturschutzgebiet. Wir sind jetzt in der Abdeckung, die Wellen werden flacher und dann lässt auch der Wind nach. Eben noch Hack, können wir jetzt Vollzeug fahren und versuchen hoch am Wind nach Norden zu kommen. Unser Tagesziel ist die Rodney Bay an der Nordspitze. Die einzige Marina auf dem Island. Die letzten Meilen motoren wir. Wenig Wind und genau auf die Nase. Beate ist aufgewacht und übernimmt ausgeschlafen das Steuer, ich verschwinde noch für 2 Stunden in der Koje. Wir sind seit 2 Stunden in der Marina, haben einen Platz am letzten Steg gefunden und schlafen, als uns ein Klopfen an der Bordwand weckt. Nachbarn hängen unsere Fender tiefer, die Wasserschutzpolizei hilft auch. Die Tide ist gekentert und unsere Puffer hängen zu hoch. Echt nette Menschen und unser Dank wird mit einem "You'r Welcome" beantwortet. Wir können in der Marina einklarieren, besuchen das erste Mal den Shipchandler und den Supermarkt, eine kalte Coke in der Kneipe. Überall Segler vor dem Laptop mit Kopfhörer und Mikrofon. Sie telefonieren. Wir gehen gegen Abend auch ins Netz, freies W-Lan, welch ein Luxus! Aus den geplanten 2 Hafentagen sind 6 geworden. Mensch und Schiff sind gründlich überholt, Unmengen von Süßwasser verbraucht, Zubehör gekauft, Segelliteratur besorgt, frisches Obst und Gemüse bei den Bootjungs gekauft, die auch im Hafen mit ihren abenteuerlichen Booten direkt ans Schiff kommen. Wir verlegen unsere Genesis in die Bucht. Die nächsten 3 Tage geht es direkt nach dem Frühstück in den Bach. Mit dem Dinghy können wir in die Marina. Stefan hat uns auf unsere Anfrage hin gemailt, wie das mit der Internet-Telefoniererei funktioniert. Danke nach Rheinhausen!! Jetzt fehlt uns nur noch ein Headset, dann können wir auch loslegen, leider gibt es hier keines zu kaufen. Mit Skype zu telefonieren ist vor allem finanziell eine echte Alternative, 35 Cent für die Verbindung, ins Festnetz 2 Cent die Minute, von Computer zu Computer gar nichts. Beate träumt schon von langen "Frauengesprächen" Am Sonntagabend gehen wir in eine Strandkneipe. Billiges, einfaches aber gutes Essen, "Live-Jazz" und nette Tischnachbarn, echt super. Der "Heimweg" gestaltet sich in der schwarzen mondlosen Nacht etwas schwieriger, es dauert eine Weile bis wir in der Riesenbucht unser Schiff finden, spannend so eine Nachtfahrt mit dem Dinghy, wenn man nicht genau weiß wie lange der Sprit reicht. Noch ein Grund, sich einen Außenborder mit größerem Tank zu kaufen, bei unserem passen in den Innentank nur 1,2 Liter rein. Wir liegen abends im Stadthafen von Castries, mitten in der Hauptstadt von St. Lucia. Nachmittags waren wir an Land, den Fischmarkt besichtigen, Lebensmittel einkaufen. Und wir haben ein Headset! Ein freundlicher junger Mann hat uns durch die Stadt geführt und uns den Elektronikladen gezeigt. Jetzt brauchen wir nur noch eine Internetverbindung, dann kann's losgehen. Finden leider keine. Gegen 19:00 sind wir ganz allein im Stadthafen. Ob hier übernachten nicht gestattet ist? Aber niemand will etwas von uns. Wir schlafen ruhig und sehr tief. Dass in den Morgenstunden 2 riesige Kreuzfahrer einige Meter von uns weg an der Pier festmachen merken wir erst als Beate morgens ihren Kopf zur Lucke rausstreckt. Wir sind echt platt. Und da kommt der dritte Riesenpott. Die "AIDA". Wir sind umzingelt, ein Gefühl als wenn man zwischen Hochhäusern auf dem Bordstein sitzen würde. Der Stadthafen von Castries ist jetzt voll: 3 Kreuzfahrer mit rund 5000 Passagieren, die GENESIS und wir. Leider sind alle WLAN-Netze auf den Pötten gesichert. Nichts mit telefonieren. Wir verlegen in die Bucht von Sourfier in der Nähe der Pitons. Hier, im Naturschutzgebiet darf nicht geankert werden. Wir liegen an einer Boje, nur 20m vom Ufer entfernt, aber auf 15 m Wassertiefe. Hier geht's unter Wasser steil bergab. Die Parkranger kassieren abends, 64 $ec für eine Woche, etwa 20 Euro, da kann man nicht meckern. Dafür haben wir eine fantastische Schnorchelecke. Bunte Fische, Esstischgroße Korallen und blaue und gelbe Riesenschwämme. Manche sind so groß, dass Beate sich darin (fast) verstecken könnte. Einfach toll. Wir Schnorcheln bis die Haut schrumpelig wird. Im kleinen netten Ort finden wir endlich ein Internet-Cafe und könne das erste Mal mit Skype telefonieren. Es funktioniert hervorragend und wir nutzen die Gelegenheit über eine Stunde lang. Gespräche mit Eltern und Freunden ohne Zeitdruck und dauerndem Blick auf den Gebührenzähler. Super!! Am Strand tragen vier junge Männer einen knapp 3m langen Schwertfisch an Land und präsentieren stolz ihren Superfang. Riesig! Zurück an Bord gibt es zum Essen von Beate selbstgebackenes Brot. Ein toller Abschluss eines schönen Karibiktages. Noch mal ins Wasser springen, dann ab in die Koje. Am nächsten Tag verlegen wir auf die andere Seite der Bucht. Hier ist Benny-Land. Benny ist ein geschäftstüchtiger Einheimischer der mit seiner Familie alle Dienstleistungen anbietet die es gibt. Taxi, Bootstaxi, Wäsche waschen, Essen in seinem Strandlokal und, und, und. Wir liegen mit langer Heckleine wieder an einer Boje, wollen zu Fuß zu Bennys Lokal und gehen entlang der Heckleine mit dem Dinghy an Land. Ein abenteuerlicher Fußmarsch über viele Steine, vorbei an "wilden" Hunden beginnt. Wir essen kreolisch und telefonieren noch mal mit Freunden weil Benny für Gäste ein Netz anbietet. Als er erfährt dass wir per Pedes da sind, schickt er seine Söhne an Land um unser Dinghy abzuholen und ans Schiff zu bringen. Aus seiner Absicht, uns mit seinem Boot zurückzubringen wird dann allerdings nichts, ein dringender Auftrag. So fahren wir noch mal zu der GENESIS holen das Beiboot an den Kneipensteg. Nach dem Eintrag in sein Gästebuch das er uns stolz zeigt, gibt es für Beate noch ein Abschiedsgeschenk, eine Miniatur eines alten Lehmofens. Wir kommen danach gut durch die Wellen am Strand und sind gegen 22:00 wieder wohlbehalten an Bord. Seit gestern liegen wir zwischen den "Pitons". Der spektakulärste Platz auf der angeblich schönsten aller Karibik-Inseln. Erstaunlicherweise haben wir ohne Probleme eine Boje gefunden. Es gibt hier nur ein Dutzend davon und laut Segelführer ist hier immer viel los. Nicht gestern, heute und morgen. Wir haben die Südseite der Bucht für uns, erst am dritten Tag legt sich ein Katamaran neben uns. Traumhafte Unterwasserwelt, grandioser Sonnenuntergang, Karibikfeeling pur. Die nächste Bucht die wir nach einer Woche Naturschutzgebiet anlaufen ist dafür eine echte Pleite. Die "Marigot Bay", viel gerühmt und gelobt, entpuppt sich als eine Bay mit voll bebautem Ufer, wenig Ankermöglichkeiten und stark überhöhten Preisen. Wir bezahlen für ein Baguette 3,80 Euro! Wir müssen ja nicht bleiben und verlegen am nächsten Morgen wieder zurück in die Rodney Bay. Dort hatten wir mit dem Segelmacher vereinbart, dass er eines unserer Ersatz-Segel verkauft, er hatte schon einen Interessenten, und dafür preiswert ein Sonnensegel schneidert. Wurde jedoch nichts draus. Angeblich kann sich der Interessent nicht entscheiden. Nach 2 Tagen holen wir unser Segel wieder ab. Schade. In der Marina nutzen wir das kostenlose W-Lan ausgiebig, füllen unsere Wasser- und Treibstofftanks und machen uns nach mehr als 2 Wochen langsam bereit für die Überfahrt zu unserer nächsten Insel. Martinique ruft! |
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