11 Casablanca 31.10. - 03.11.06 |
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| Montag 12:00 Uhr legen wir ab und lassen Gibraltar endgültig hinter uns. In der Bucht
werden wir von Delfinen verabschiedet. Nach ca. 20 sm können wir Segel setzen und wir queren das
Verkehrstrennungsgebiet in der Straße von Gibraltar ohne große Probleme. Wir segeln der Sonne entgegen.
An backbord taucht schemenhaft Afrika auf. Wir haben es geschafft. Nach ca. 1100 sm sind wir im Atlantik.
Ein weiterer Meilenstein auf unserer großen Reise. ein Wahnsinnsgefühl und wir sind stolz auf uns!! Da der Wind uns leider wieder im stich lässt und die SMS-Wettermeldungen von Heinz auch nichts Gutes verheißen, beschließen wir Casablanca anzulaufen. Unsere Dieselvoräte bringen uns nicht bis auf die Kanaren und ein Drink in Rick's Café... Wir wissen nicht genau was uns in Casablanca erwartet. Zwei verschiedene Bücher, zwei verschiedene Informationen - wir lassen uns überraschen. Da der Abstecher nach Marokko außerplanmäßig ist, haben wir keine Landesflagge dabei. Es ist aber Brauch, dass steuerbord die Fahne des Gastlandes gehisst wird. Kurzerhand nähe ich aus der roten Signalflagge und einem von Wolfgang eigenhändig ausgeschnittenen grünen Stern, eine marokkanische Flagge. >br> Nach 46 Stunden erreichen wir die Hafeneinfahrt. der 3-Stunden-Wachrhythmus ist zu zweit ganz schön anstrengend. Wolfgang hat mir die ein oder andere Stunde Schlaf geschenkt - schön, dass er sooo ausdauernd ist. Wir tasten uns an hand unseres Kartenplotters in den Hafen. Da hier die marokkanische Kriegsflotte stationiert ist, stimmen die GPS-Daten nicht wirklich und wir navigieren nach Sicht. Von Hafenarbeitern auf einem großen Frachter werden wir stürmisch begrüßt und sie geben uns zu verstehen, dass die von uns gesuchte Marina am Ende des Hafens nicht mehr existiert. Sie weisen uns aber an eine Pier, mitten im Industriehafen, wo bereits eine kleine SegelYacht festgemacht hat. Wir drehen unsere kreise und begutachten die Stelle genauer. Zwischen der SegelYacht und einem riesen Frachter könnten wir längsseits an der Pier festmachen. Wir werden bereits von zahlreichen einheimischen Männern die am Pier stehen beobachtet die uns dann auch beim Festmachen behilflich sind. Wir werden sofort neugierig befragt, wo wir herkommen, woher wir gesegelt sind, wie lange wir hier bleiben wollen, ob wir schon mal in Marokko waren, wohin wir weitersegeln werden und immer wieder hören wir die Worte "Welcome to Marokko". Die kleine spanische Yacht, die auch am Pier liegt, macht kurze Zeit später los, so dass wir keine vernünftige Auskunft mehr über Einklarierung oder sonstige brauchbare Informationen erhalten, aber das ist auch nicht notwendig. Als wir uns mit Hilfe unserer Leiter aus dem Schiff auf die Pier begeben, werden wir sofort mit sachkundigen Hinweisen versorgt. Zwei der Jungs, bieten uns an ein Auge auf unsere Yacht zu werfen, die Polizei kommt auch gleich an und schickt uns zur Einklarierungsbehörde, die wir schlussendlich mit Hilfe eines Taxifahrers finden. Die Formalitäten sind äußerst unkompliziert und als Wolfgang den Zöllner noch in ein Gespräch über den marokkanischen König, dessen Bild groß über dem Eingang hängt, verwickelt sind wir gleich adoptiert. Zurück auf dem Schiff, sind wir stets umringt von unseren neu gewonnenen Freunden. Für kleine Auskünfte und Hilfeleistungen gibt's Coca Cola oder heimlich in Plastiktüten verhüllt auch das ein oder andere Bier. Auf diese Weise kommen wir zu 80 Liter Diesel, das wir dringend brauchen. Der Frachter der vor uns liegt, ist inzwischen entladen und fährt weiter. Als ein neuer, größerer seine Stelle einnimmt, wird die GENESIS kurzerhand von den zuständigen Leuten ein paar Meter weiter nach hinten ans Ende der Pier verlegt. Abends wollen wir in die Suks - doch das Aussteigen aus dem Schiff, gestaltet sich bei einem Tidenhub von ca. 3 Metern recht schwierig. Die Pierkante befindet sich ca. 2 Meter über dem Deck und wir konstruieren mit hilfe unserer Leiter und den an der Mauer angebrachten riesigen Autoreifen, die als Fender für die großen Frachter dienen, eine Ausstieghilfe. Der Sicherheitsbeamte, der das Hafengelände hier bewacht reicht mir seine Hand und hilft mir beim Rauskelttern. Die engen Gassen mit den zahlreichen Läden, Stände und Menschen beeindrucken uns sehr. Obwohl alle sehr geschäftstüchtig sind, ist nichts aufdringlich oder unverschämt. Wir kommen mit dem ein oder anderen ins Gespräch und auch hier immer wieder die Worte "welcome to Marokko". Nach einem leckeren Abendessen machen wir uns einigermaßen müde auf den Heimweg zu unserem wohl bewachten Schiff. Meine anfängliche Skepsis ist verschwunden. Ich fühle mich hier sehr sicher. Nachts um 1:00 Uhr wird es laut um uns herum. Wir stehen auf und sehen nach. Ein riesiger Frachter liegt vor uns und will seine Festmacherleinen anbringen. Aber wir sind im Weg. Wir werden gebeten unser Schiff an eine andere Stelle im Hafen zu verlegen. Wir erhalten eine Zeichnung des Hafens, auf der unser neuer Liegeplatz eingezeichnet ist. Wir schmeißen den Motor an und wollen los fahren, aber die Schaltung ist blockiert. Es geht weder Vorwärts- noch Rückwärtsgang. Wolfgang versucht von Hand zu schalten, aber nichts geht. Der Frachter kann nicht festmachen, da unser Genua-Roll-Segel im Weg ist. Was passiert nun?? Die verantwortlichen fackeln nicht lange. Ein Schleppboot wird organisiert, dass uns bei Nacht und Nebel, ohne Beleuchtung (da dies wohl eine Schwarzfahrt wird, die wir nicht bezahlen müssen) durch den Hafen schleppt und im hintersten Winkel eines anderen Docks zwischen zwei andere Frachter buxiert. Auch dort sind gleich wieder helfende Hände und wir können es kaum glauben, als am nächsten morgen bereits ein Schiffszubehörhändler, der von unserem Schlatungsproblem gehört hat auftaucht und uns anbietet die Reparatur vorzunehmen. Wolfgang löst das Problem selbst. Er baut den Schalthebel aus und nach einem kurzen Anruf in Elba bei Carolin und Lucca ist alles wieder o.k. Ich bin mächtig stolz auf ihn!! Jetzt haben wir uns einen schönen Ausflug in Casablanca verdient. Mit Mohamed, einem supernetten und geschäftstüchtigen Taxifahrer machen wir eine Stadtrundfahrt und lassen uns Casablanca zeigen. Wir gehen zusammen Tee trinken, auf dem Gemüsemarkt einkaufen und lassen uns abends noch zu einem tollen Restaurant fahren, um Couscous zu essen. Dabei leiht uns Mohamed Geld, weil wir nicht genug dabei haben und wir wegen des Niedrigwassers nicht auf unser Schiff kommen. Er wartet mit uns bis wir gegen 22:00 Uhr endlich zurück auf die GENESIS können. Zuvor hat er uns gar angeboten, dass wir bei seiner Familie essen und schlafen können und er uns morgens zu unserem Schiff zurück bringen wird. Als wir ihn und seinen Freund fragen, ob sie an Bord kommen wollen, lehnen sie ab. Sie würden gerne, dürfen aber wegen der Sicherheitsbeamten auf dem Hafengelände nicht. Tatsächlich schauen die beiden am nächsten morgen noch mal nach uns, und nach einigem verhandeln, kaufen wir noch mal 3 Kanister + Dieselfüllung bei ihnen. Wir geben ihnen das Geld + ein kleines Geschenk für den Polizisten an der Hafeneinfahrt und erhalten die Ware eine stunde später. Wir verabschieden uns und machen uns auf Richtung Kanaren. Was für ein Erlebnis - Das war Casablanca: Ich schau ihm in die Augen, und er sagt Kleines zu mir!! Marokko, das Land der Gastfreundschaft!! |
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