9 Gibraltar 13.10. - 20.10.06

   
Wir motoren. Die Bordroutine ist bald wieder hergestellt. 2,5 Stunden Wache gehen - 5 Stunden frei - 2,5 Stunden Bereitschaft - 2,5 Stunden Wache usw. Wolfgang fängt wieder zwei Makrelen - diesmal gibt es gebratene Fischfilets mit Reis und Tomate - Mozzarella. Hier sei erwähnt, dass die Bordküche auf der. GENESIS ausgezeichnet ist, da sowohl Heinz als auch Felix über hervorragende Kochkünste verfügen. Das ist gut so, denn 50 Stunden motoren bei hoher Welle macht nicht wirklich Spass und kulinarische Highlights sind eine willkommene Abwechslung.

Am Sonntag, den 15.10.2006 gegen 15:00 können wir den Affenfelsen von Gibraltar am Horizont erkennen. Je näher wir der Küste kommen, desto mehr kommen uns große und größte Schiffe in die Quere. Es ist ganz schön aufregend sich zwischen den Riesenpötten einen Weg in die Bucht zu suchen. Die meisten liegen vor Anker und warten - worauf??

Um 19:10 haben wir die britische Flagge und die Einklarierungsflagge (q) gehisst. Felix nimmt mit der Marina Funkkontakt auf und bekommt eine Absage. Kein Platz! Wir tanken und ankern auf der spanischen Seite (britische Fahne einholen, spanische Fahne hissen). Wir sind müde - es gibt Spaghetti mit Sauce aus dem Glas und keine Dusche, da unser Wassertank leer ist.

Am nächsten Morgen können wir dann in die Marina Bay verholen. Wir liegen in Gibraltar. Nahtstelle zweier Kontinente und zweier Ozeane um von hier aus auf die Kanaren zu segeln!
   
   

10 Gibraltar 21.10. - 30.10.06

 
 
Wir liegen immer noch in Gibraltar. Inzwischen haben uns Heinz und Felix verlassen, da die Wettersituation es nicht erlaubt in der für sie noch verbleibenden Zeit auf die Kanaren zu segeln. Schade, wir hätten sie gerne noch länger an Bord gehabt. Es ist unbeschreiblich, was die beiden zum erfolg der ersten 2 Segelwochen beigetragen haben und wir haben viel von ihnen gelernt. Wir hoffen, dass wir irgendwann einmal wieder zusammen segeln werden.

Wir warten seit Tagen auf Nordwind, damit wir lossegeln können. Die Wettervorhersagen sind ziemlich düster - bis auf weiteres Süd-Südwest und eine Tiefdruck-Front nach der anderen.

So voller Tatendrang und Abenteuerlust fühlen wir uns im Moment ein bisschen ausgebremst. Nach 3 Tagen, haben wir das Gefühl schon 3 Wochen hier im Hafen zu liegen. Inzwischen haben wir den berühmten Affenfelsen von Gibraltar besucht und nutzen die Zeit unsere GENESIS noch besser auszurüsten. Nach 3 Wochen auf dem schiff, ist klar, was noch optimiert werden kann und zu krusteln gibt es immer was. Wir machen einen Ausflug zu Fuß nach Spanien. Um zur Grenze zu gelangen muss man die Start- und Landebahn von Gibraltar, die genau neben dem Hafen liegt, überqueren. Es ist immer wieder ein Ereignis, wenn man zwischen den Masten der Segelschiffe die landenden oder startenden Flugzeuge sieht.

Die Grenzkontrollen sind recht streng, doch bei der Einreise nach Spanien werden wir nicht kontrolliert. Auf dem Rückweg will der spanische Grenzbeamte unsere Pässe sehen. Wolfgang hat an Stelle des Passes, den Führerschein eingesteckt. Jetzt haben wir ein Problem. Er wird zwischen Spanien und Britannien im Niemandsland geparkt und ich muss zum Schiff um seinen Ausweis zu holen. Auf dem Weg dahin habe ich gut 30 Minuten Zeit, mir zu überlegen, ob ich ihn auslösen soll oder nicht ;-))

Das wechselhafte Wetter - oft Regen - wenig Sonne - lässt nicht viel Spielraum. wir lesen viel. Die wenigen Sonnenstunden nutzen wir zum trocknen der Sachen, die bei dem feuchten Wetter klamm werden. Die Durchlüftung des Schiffs ist sehr wichtig, damit sich keine Stockflecken bilden können. Ab Mittwoch bessern sich die Wettermeldungen. Überall herrscht Aufbruchstimmung. Wir beraten uns mit Dieter, einem "Einhandsegler" aus Lörrach, mit einer wunderschönen 40 ft. Swan, den wir hier kennen gelernt haben und beschließen, dass wir Freitag, oder Samstag los gehen.
Wir bunkern Essen, Wasser und gehen am Donnerstag noch mal lecker Abschiedsessen bei der kleinen Meerjungfrau. Nach erneutem Studium der Wetterkarte (Es war uns nicht bewusst, dass wir uns im Laufe unserer Segeltour zu Wetterspezialisten entwickeln würden) beschließen wir am Samstag zu starten, um den Wellen einen Tag länger die Möglichkeit zu bieten etwas abzunehmen. Es zeigt sich dass unsere Entscheidung gut war. Am Freitag 10 Uhr UTC erhalten wir, Felix sei dank, über den deutschen Wetterdienst eine Sturmwarnung für Gibraltar und westlich Gibraltar. Wir haben diese Wetterinformation ca. 4 Stunden vor allen anderen und sorgen für Diskussionen im Hafenbüro, als wir unsere Wettermeldungen dort nicht bestätigt finden. Gegen 18 Uhr geht's dann los und in der Nacht haben wir Windstärken bis 9 Beaufort. Wir sind froh nicht draußen zu sein. Dieter ist morgens um 10:30 Uhr los. Hoffentlich hat's ihn nicht zu stark erwischt.

Wir warten weiter, treffen uns mit Sylvia und Jeron zum Biertrinken auf ihrer 11 Meter kurzen Netjer (ist Eskimosprache und heißt Seehund) mit der sie 3 Jahre lang unterwegs sein wollen. Wir unterhalten uns überwiegend in Englisch. Wolfgang hat in den letzten beiden Wochen seine Sprachkenntnisse enorm verbessert. Er redet einfach zu gerne, als dass eine Fremdsprache ein Hindernis für ihn sein könnte.

Endlich werden die Wettermeldungen besser. Der heiß ersehnte Nord-Nordost kündigt sich an und es kann ENDLICH los gehen!
 
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